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Biografie

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Familie
Author:  Wischerhoff
Biografie vom:  09.11.2001
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Der Autor ist ein Teilnehmer des Biografie-Projekts "Das ist mein Leben" der GGT.
Kindheits- und Jugenderinnerungen bis 1937

Die Ahnen mütterlicherseits von Dirk Wischerhoff *02.03.1962

Heinrich Wefers,  geb. 17.03.1843 in Essenberg
                          gest. 08.02.1905 in Uerdingen
verh. 06.12.1867 mit
Margaretha Wefers, geb. Bister, geb. 14.05.1845 in Friemersheim
                                                    gest. 17.05.1903 in Friemersheim

Deren Kinder waren


Jakob            geb. 1868

Agnes          geb. 1869

Sibylla          geb. 1870

Margaretha  geb. 1871 (16.12.), gest. 30.06.1955

Johann          geb. 1873

Christine      geb. 1874

Sophie          geb. 1876

Heinrich        geb. 1877

Gerhard        geb. 1878

Kunigunde    geb. 1879

Peter              geb. 1881

(Hermann      geb. 1884, gest. 1884)

Ida                geb. 1890


Margaretha Wefers war die Urgroßmutter von Dirk, meine Großmutter, die Mutter meiner Mutter. Sie war verheiratet mit Hermann Komp (gest. 1904) und hatte fünf Kinder.

Margaretha Komp, geb. Wefers

Margaretha Wefers war am 16.12.1871 als viertes Kind von Heinrich und Margaretha Wefers, geb. Bister in Friemersheim geboren worden. Der Vater war Ackerer und Tagelöhner, das heißt, dass er den Lohn seiner harten Arbeit täglich ausgezahlt bekam, mal mehr, mal weniger, je nachdem was gerade an Arbeit angefallen war, und bestand zum größten Teil aus Naturalien wie Milch oder Buttermilch, Mehl und wenig Geld, zu wenig, um die weiteren Bedürfnisse der zahlreicher werdenden Kinder zu stillen. Die Mutter war vollauf mit dem fast jährlichen Kinderzuwachs beschäftigt. Sie wohnten in einem kleinen weißgekalkten Häuschen "vör dän Dieck", sozusagen in der freien Natur. Sie hatten selbst noch ein kleines Landstück und ein Gärtchen zu bearbeiten, um die Nahrungsgrundlage für die größer werdende Familie sicherzustellen. Auch war an Kleinvieh einiges vorhanden.

In der einklassigen Schule in Friemersheim waren lange Zeit immer sieben Weferskinder vereint, das heißt, wenn eines die Schule beendete, rückte gleich ein jüngeres Weferskind nach. Zu Kaisers Geburtstag bekam viele Jahre lang jedes Schulkind im Lande drei Rosinenstütchen in die Hand. Da machte der Lehrer eines Tages beim Verteilen die Bemerkung: "Die Weferskinder stehen sich am besten, sie kriegen 21 Stütchen!" Worauf Peter: "Dou häs ja selfs so völ Blagen!" Von diesem jüngsten Weferssproß gibt es noch andere Sätze in seiner derben, unverfrorenen Art. Als der Lehrer ihn mal versohlt hatte, sagte er ihm ins Gesicht: "Dou sas ma os Mohder de Melk betahlen!" Diese und andere Dönekes haben bei Familientreffen später oft die Runde gemacht und zur Heiterkeit beigetragen.

Ich habe einige aus dieser Geschwisterschar noch gut in Erinnerung, so
Sibylle (Tante Bella), die ich an Omas Hand manchmal besucht habe.

Johann, der Schmied, und seine liebe Frau, Tante Julchen, mit der tollen Werkstatt und dem großen Laden dabei.

Tante Sophie in Köln mit ihrem Mann, der ein "Kommißkopp" war, wie Oma leicht abfällig sagte, und deren Kinder größtenteils nach Amerika auswanderten.

Heinrich blieb im Elternhaus, starb früh (1906); seine Frau war Agnes, die meine Oma bei sich aufnahm mit fünf Kindern, als sie Witwe geworden war.

Gerhard war mit Leib und Seele Eisenbahner geworden.

Kunigunde, Tante Kuna, lebte in guten Verhältnissen.

Peter, der "Taugenichts", taugte aber doch!

Ida heiratete und lebte, ohne Kinder zu haben, in Düsseldorf.

Schließlich sei noch erwähnt, dass der Älteste der Geschwisterreihe der "Vahder Jakob" ist, meines Vaters Stiefvater... alles klar?

1885 kam Margaretha Wefers, 14 Jahre alt, aus der Schule, und ich kann mir denken, dass sie zuerst der Mutter half, denn außer Ida waren zu der Zeit schon alle Kinder auf der Welt, sprich in der Familie, und hatte jedes seine Bedürfnisse. Mit der Schwester Bella half Hett, wie Margaretha kurz genannt und gerufen wurde, in der Erntezeit und beim Schlachten bei den Bauern aus. Es gab dann gutes Essen und an Wurst und Fleisch mit nach Hause, wenn sie fleißig gewesen waren, mal mehr mal weniger, ganz nach Gutdünken des Bauern. Tarife gab es nicht. Vor etwa unredlichen "Anträgen", wie sie oft auf Höfen gängig waren, nahmen sich die beiden Mädchen in acht und wimmelten sich gemeinsam solche "Freier" vom Hals. Schlimmer war es, wenn der Bauer selbst seine Neigung kundtat, was oft genug vorkam, das unbedachte Mädchen ein Kind erwartend, so ganz leicht mit einigen Märkern "abgefunden" wurde und das Kind dann in der elterlichen Familie - was denn sonst - aufgenommen und großgezogen werden mußte. -

Mit 16 kam Margaretha in einen "feinen" Haushalt, lernte feinere Sachen, einfach die "feinere Lebensart" kennen, machte sich aber nur dies zu eigen, was ihr auch wirklich gefiel, denn sie war klug und hatte einen starken Willen, der ihr später oft beistand, um mit den Schicksalsschlägen in ihrem Leben fertigzuwerden. In Homberg lernte Margaretha den 11 Jahre älteren Hermann Komp kennen, der Witwer war und einen Sohn hatte. Es war für Margaretha die große Liebe. Hermann Komp war bei der Güterabfertigung in Homberg als Vorarbeiter beschäftigt, strebte eine bahninterne Ausbildung mit dem Qualifikationsabschluß "Lademeister" im Güterverkehr an. Dieses Ziel erreichte er auch.

Am 13.10.1894 heirateten Hermann Komp und Margaretha Wefers in Homberg. Am 09.03.1895 kam als erstes Kind Elisabeth, meine Mutter, zur Welt, am 16.01.1897 Heinrich, am 6.06.1899 Margarethe in Krefeld. Mit diesen drei Kindern zog die Familie Hermann Komp um von Homberg nach Mülheim am Rhein (später Köln-Mülheim). Wie ein Versicherungsschein des "Brandversicherungsvereins Preußischer Staatseisenbahnbeamten", der mir in einer Kopie vorliegt, ausweist, dass der Lademeister Hermann Komp in Mülheim am Rhein am 1. August 1900 eine Brandversicherung über 3.600 Mark für sein Mobiliar abgeschlossen hat. Also hat die Familie Hermann Komp zu diesem Zeitpunkt (etwa Juli/August 1900) in (Köln-)Mülheim gewohnt und konnte der Vater als Bahnbeamter seiner Familie ein sicheres, relativ sorgenfreies Leben bieten. Zwei Kinder, Wilhelmine und Christine, wurden noch 1901 und 1903 geboren.

Doch kam alles ganz anders; das Leben machte durch den Tod des Vaters für Margaretha und die Kinder eine Kehrtwendung. Hermann Komp erkrankte und litt viele Wochen in der Bonner Klinik an einer Lungenkrankheit, er starb dort am 9. Mai 1904 und wurde am 13. Mai in Homberg beigesetzt. Das jüngste Kind gerade fünf Monate alt; Elisabeth, meine Mutter, neun Jahre. Der Sohn aus der ersten Ehe Hermann Komps, Wilhelm, genannt Willi, war zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt, Verwandte seiner verstorbenen Mutter aus Krefeld nahmen ihn bei sich auf. Ich habe ihn als Onkel Willi und seine Frau als Tante Gretchen in guter Erinnerung. Sie kamen einmal im Jahr in der Fliederzeit zu einem Kaffeestündchen zu uns nach Friemersheim. Mutter hatte immer gute Laune, wenn die beiden bei uns waren, sie kriegten immer einen großen Fliederstrauß mit nach Hause. Onkel Willi war Monteur im Straßenbahndepot in Homberg an der Duisburger Straße. Dort kam er bei einem Fliegerangriff 1944 ums Leben. Später nahm Tante Gretchen sich selbst das Leben, weil sie unheilbar an Krebs erkrankt war. Sie hatten zwei Söhne, Willi und Hermann.

Nun wende ich mich wieder der so früh, mit 32 Jahren verwitweten Margaretha Komp, meiner Oma und ihren fünf Kindern zu und wie sie mit ihrem Schicksal fertig werden. Ich vermute, dass die vaterlose Familie nur noch vorübergehend in der bahneigenen Wohnung verbleiben konnte. Mir liegt die Kopie eines Abrechnungsbescheides der "Königlichen Eisenbahndirektion Elberfeld" an die verwitwete Frau Eisenbahn-Lademeister Margaretha Komp, geb. Wefers vom 20. Mai 1904 vor. Da wundere ich mich nur, wie schnell die Dienststellen damals ohne Computer gearbeitet haben; das Todesdatum war der 9. Mai und am 20. Mai war der Bescheid schon fertig, in der wunderbarsten Handschrift zu Papier gebracht und der Witwe Komp zugestellt. Ihr wurde mitgeteilt, dass sie für die Monate Juli/August als (Achtung!) Gnadenbesoldung noch 256 Mark und 67 Pfennig zu empfangen hätte und behufs Abhebung dieses Geldes bei der Stationskasse der Eisenbahn vorsprechen könne. Mir liegt auch eine Kopie des Rentenbescheides vor vom 28. Juli 1904, ziemlich kompliziert wegen des Waisengeldes, aber alles schön handschriftlich und ausführlich. So bekommt die Witwe Komp ab 01.09.1904 als Witwengeld jährlich 153 Mark und für jedes Kind jährlich 30,60 Mark, umgerechnet auf den Monat 25,50 Mark.
Es war wohl so, wie ich schon andeutete, dass die Familie nach dem Tode des Vaters nur noch eine begrenzte Zeit in der Wohnung verbleiben konnte. So will die "Königliche Eisenbahndirektion Elberfeld" schon im Schreiben vom 20.05.1904 die Nachricht haben, wo die Familie am Fälligkeitstag der Renten- und Waisenbezüge ihren Wohnsitz haben werde und ist dann der Rentenbescheid vom 28.07.1904 schon nach Homberg adressiert. Aus Gesprächen meiner Mutter, die beim Tode ihres Vaters neun Jahre alt war, und aus solchen meiner Oma mit anderen Familienangehörigen weiß ich aber, dass Margaretha mit ihren fünf Kindern zuerst in ihr Elternhaus in Bliersheim am Damm zurückgekehrt ist. Hier wohnte ihr Bruder Heinrich mit seiner Frau Agnes und zwei Kindern. Hier wurde die heimatlose Familie herzlich aufgenommen, ohne bange Frage, wie lange sie wohl bleiben würde. Meine Mutter hatte zudem noch eine Knieverletzung und mußte in einem alten Kinderwagen durch die Gegend geschoben werden, fiel also als Hilfe und Aufsicht der jüngeren Geschwister aus.

Margaretha hatte nun Gelegenheit, sich nach Arbeit und Wohnung umzusehen, wußte die Kinder in guter Obhut bei der Schwägerin. Wahrscheinlich suchte Margaretha zuerst einmal Kontakte aus ihrer Mädchenzeit bei den Herrschaften, die ihre Arbeitgeber gewesen waren und vielleicht auch jetzt ihre Arbeitskraft schätzten, und der Zeit, da sie ihren Hermann in Homberg kennenlernte und glücklich mit ihm war. Durch eine glückliche Fügung, so kann es wirklich gesehen werden, lernte Margaretha die alte, allein in ihrem Häuschen lebende Frau Rossmüller kennen, die gern einige Zimmer vermieten wollte und die auch gern Kinder um sich hatte. Das war wohl ziemlich schnell eine perfekte Sache; für Margaretha und die Kinder ein neues Zuhause in Homberg; - und bald ging der Umzug von Bliersheim dorthin vonstatten. "Tante Rossmüller", wie sie von den Kindern genannt wurde, sah nach dem Rechten, achtete darauf, dass die Größeren rechtzeitig zur Schule kamen, die Kleineren ihr Frühstück brauchten, und tat manche nützliche Handreichung für Margaretha, die schon 5 Uhr früh (vielleicht schon 4 Uhr) bei irgendwelchen Herrschaften am Bottich Wäsche rubbelte, um ihre fünf Kinder durchzubringen. Sie hatte gut zu tun, mußte sich täglich sputen und noch die Kinder und den Haushalt versorgen. Wäsche waschen - das hieß vor fast hundert Jahren: die Wäschestücke mit einem Knüppel aus der heißen Lauge auf das Waschbrett bringen, die einzelnen Teile kräftig rubbeln, scheuern, wringen, heißt weiter, die Wäsche spülen, aufhängen, trocknen, abnehmen, falten, recken, stärken, bügeln und allerbestens nach "Herrschaftsart" schrankfertig weglegen, das alles tagein, tagaus; jahrein, jahraus; so war es bei der Witwe Margaretha Komp, geb. Wefers, die mit 32 Jahren mit fünf Kindern allein stand! -
Margaretha aber wußte, auf was sie sich einließ, - Wäsche für andere Leute sauber zu machen, waschen zu gehen -, denn oft genug hat sie ihrer Mutter mit ihren vielen Kindern helfen müssen. Sie hatte sich entschieden, wollte auf keinen Fall noch einmal heiraten, wollte keinen anderen Vater für ihre Kinder und keinen anderen Mann für sich. Was blieb ihr da anderes, als putzen oder waschen zu gehen! Ich glaube, dass meine Oma in den Jahren ab 1904 eine harte Frau und eine strenge Mutter wurde, unerbittlich in den Forderungen an ihre Kinder und an sich selbst. Ich, als ihr Enkelkind, habe sie so nicht in Erinnerung! Obwohl sie keine "Schmuseoma" war, ging sie doch sehr liebevoll mit mir um. Das geht ja auch aus meinen Kindheitserinnerungen hervor. Jetzt will ich aber zu der Oma zurückkehren, die als hart und stark gewordene Mutter die alleinige Verantwortung für ihre fünf Kinder hat.

Die größte Sorge der Witwe Komp war, dass die Familie nur nicht ins "Gerede" kam, das heißt, die Kinder ordentlich, höflich, sauber und brav waren, nicht durch Vorwitzigkeit und schlechtes Benehmen in der Schule "auffielen". So war die Witwe Komp und ihre Kinder mit der Zeit eine geschätzte und "angesehene" Familie in der kleinen Stadt Homberg und in der Gemeinde, bei den Nachbarn, den Kaufleuten, den Lehrern und dem Pastor, der oft in "Tante Rossmüllers" Häuschen zu den Kindern der Witwe Komp hineinschaute, und sie tat alles, das Bild der "heilen Welt" in ihrer Familie nach außen hin zu festigen.

Hier will ich noch einflechten, dass 1909 das zweitgeborene Kind, der einzige Sohn - Heinrich - mit 12 Jahren starb. Mir hat meine Oma, ich ging noch nicht zur Schule und war oft bei ihr, manchmal von dem armen Jungen, der so große Schmerzen zu erleiden hatte, gesprochen. Es war eine Entzündung in einem Bein, die nicht heilen wollte. Das Bein sollte amputiert werden, mehr weiß ich nicht darüber. Einmal, so sagte die Oma, habe Heini in der Nacht das ganze Krankenhaus zusammengeschrien, die Männer, die mit dem Zwölfjährigen in dem Saal zusammen lagen, hätten es ihr am Morgen gesagt, mit tränenden Augen, und wären ganz still gewesen. Heini war gestorben! -

Meine Mutter erzählte, dass Heini ihr immer sehr behilflich im Haushalt gewesen wäre, Feuer im Ofen zu machen, aufzuräumen, abzutrocknen. Es war doch manche Arbeit, die sie, als die Älteste neben Schule und Hausaufgaben zu bewältigen hatte. Die vier Jahre jüngere Schwester war nicht zur Mithilfe bereit, wäre schnell "über alle Berge ausgeflogen" gewesen, wenn's um's Abtrocknen oder Spülen ging. Und die beiden Kleinen, Wilhelmine und Christine, wurden wohl von der großen Schwester geschont, die sie sehr ins Herz geschlossen hatte.

Im Jahr, als Heini starb, war Elisabeth, die älteste der vier Komp-Töchter, gerade 14 Jahre alt geworden, konfirmiert und aus der Schule entlassen. Sie war ein kräftiges Mädchen; sie träumte davon, in dem nahegelegenen Feinkostgeschäft hinter der Theke mit einer weißen Schürze, und im Haar ein Spitzenhäubchen, zu hantieren, die glänzende Waage zu bedienen und die Kundinnen anzulächeln und zufriedenzustellen. Sie wurde genommen! Einen Lehrvertrag hatte sie nicht; sie war auch nur kurz in diesem Laden tätig. Es stellte sich bald heraus, dass der Ladenbesitzer, Elisabeths Chef, das war, was heute "Grapscher" genannt wird, Elisabeth in arge Bedrängnis geriet und heulend nach Hause lief. Es gab eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen der Mutter und Elisabeths Chef - und das war es dann gewesen! Elisabeth versorgte wieder den Haushalt und die Geschwister. Bis der Pastor der Gemeinde bei kurzem Hineinschauen von dem Dilemma hörte und gleich eine Stelle bei seinem Kollegen in Hochemmerich wußte, sie sozusagen aus dem Ärmel schüttelte. Das wollte Elisabeth wohl gerne und auch der Mutter gefiel es. Die Tochter war gut angelernt, fleißig und willig, noch dazuzulernen, ja, nirgendwo war Elisabeth besser aufgehoben! Sie stellte sich bei Herrn und Frau Pastor vor, und sie wurde genommen!

1912 finden wir Elisabeth, jetzt 17jährig und selbstbewußt geworden, im Kruppschen Villenviertel in einer Vertrauensstellung in Bliersheim im Hause des Direktor Schäfer zur Betreuung des Kleinkindes Margret wieder. In den Jahren 1912 bis 1919, dem Jahr ihrer Heirat, hat Elisabeth die Stelle innerhalb der Villenkolonie Bliersheim gewechselt, als ihr Schützling Margret ihrem Alter entsprechend eine Erzieherin zugesprochen bekam. Sie wechselte mit guten Referenzen in die Nachbarvilla als Hausmädchen und zur Bedienung der Gäste bei Tisch über. Hier, so erzählte sie später, wäre kein System in der Haushaltsführung festzustellen gewesen, das Personal, sich selbst überlassen, mußte improvisieren. Da die Dame des Hauses alles mit leichter Hand nahm, ging ziemlich alles drunter und drüber, so dass das Personal nie wußte, wo es dran war. Vielleicht hat das letzte Kriegsjahr, das als "Steckrübenjahr" der Bevölkerung im Gedächtnis blieb, als Hungerjahr in die Kriegsgeschichte einging, eine Rolle gespielt.

Elisabeth Komp und Peter Seiltgens heirateten 1919; im selben Jahr wurde ihr erstes Kind, Margret, geboren, sicher in Erinnerung an Margret Schäfer und an ihre gute Zeit dort im Hause, die sie nie vergessen hat, in der sie als Mensch geachtet worden war. Elisabeth träumte nun, da sie verheiratet und ein Kind da war und Frieden im Lande, von einer selbstbestimmteren Zukunft zu Dritt, doch das Kind Margret starb plötzlich in einer Nacht. (Vielleicht am plötzlichen Kindstod?) Diesen Ausdruck oder Diagnose kannte man damals wohl noch nicht.

1921 wurde ich, Ilse-Margret, als zweites Kind von Peter und Elisabeth Seiltgens in Friemersheim geboren, und auf dem Photo stelle ich mich auf dem Arm meiner Mutter mit "Propeller" vor. Ich war das, was man einen "Wonneproppen" nennen kann; fast neun Pfund brachte ich mit auf die Welt.Alle mochten mich, meine Oma, meine Patentante Minchen, Tante Christel und Tante Tetta, denn ich war ja das erste Enkelkind und die erste Nichte in der Familie. Und ich war "pflegeleicht", wie mir später, als ich schon groß war, oft erzählt wurde. Besonders gut konnte ich es mit meiner Oma.

In dieser Zeit war noch die Belgische Besetzung im Lande und langsam, ganz langsam, konnten sich die Menschen täglich wieder sattessen und sich bescheidene Wünsche erfüllen. Ich wohnte mit meinen Eltern in zwei kleinen Dachstübchen im Hause von Frau Seiff. Die Zimmerchen waren schräg und nur notdürftig eingerichtet und waren schlecht zu heizen. Die Einrichtung war zum großem Teil aus Kisten und alten Regalen zurechtgezimmert worden. Mutter hatte mit selbstgehäkelten Deckchen, Borten und Sofakissen Gemütlichkeit gezaubert, doch wurde sie mit ihren Vorstellungen, ihr Leben mit Mann und Kind schöner und besser gestalten zu können als sie es von zu Hause aus kannte, oft enttäuscht. Sie strebte vorwärts, der Vater beständig, bescheiden in seinen Ansprüchen und immer beschwichtigend: "Wart's ab -" Mutter häkelte auch aus Garnresten Gardinchen zu den kleinen Dachfenstern unserer Wohnung und für mich aus vielfarbigen Wollresten, die sie billig in einem Handarbeitsgeschäft kaufte, die schönsten Kleidchen, Jäckchen, später Pullover mit abgestimmten Mützen und Schals, noch später, aber noch als Kleinkind, Mäntelchen, je nach der Jahreszeit. Sie riffelte auch zwei zu klein gewordene Teile auf und machte eines daraus. Woher sie dieses Talent hatte, weiß ich nicht, denn meine Oma hatte dazu keine Zeit. Von ihr bekamen meine Schwester und ich und später die anderen Enkelkinder viele Socken - zwei rechts - zwei links - gestrickt, das konnte Oma ohne hinzusehen. Etwa 1925 zogen meine Eltern in eine größere, helle Wohnung, zum Schwarzenberg, und auch für meine Oma änderte sich einiges zum Guten: Tante Minchen hatte ihre Bürolehre bei Schmitz und Söhne, einer Großschreinerei, beendet und wurde im gleichen Betrieb als Kontoristin weiter beschäftigt, sie konnte sich mit Oma zusammen eine Wohnung nehmen und die Leute mußten ihre Wäsche selber sauber machen. Sie wohnte mit Tante Minchen in einem Haushalt, kochte und putzte für sie und Tante Minchen verdiente das Geld - sie war "berufstätig" - und konnte sich mehr "leisten" als meine Mutter, - Urlaub und so! Ich war immer gern bei der Oma. Ich ging oft mit ihr zu fremden Leuten, Geld für die Frauenhilfe kassieren. Zu mir waren die Frauen alle freundlich, sie sagten zu der Oma: "dat is ou Lisken ihr Deern?" Und dann gab es was in meine Hand, Bonbons oder einen Apfel. Mit Tante Minchen ging ich sonntags in die große, dunkle Kirche, die am Rhein steht, zum Kindergottesdienst. Tante Minchen war dort Kindergottesdiensthelferin, sie hatte die großen Jungs; wie sie sagte, waren die immer sehr laut, deshalb brachte sie mich zu den Kleineren. Es wurde auch gesungen, das fand ich sehr schön, "Weil ich Jesu Schäflein bin" und so. - Wenn wir dann nach Hause kamen, hatte die Oma schon den Tisch gedeckt und es roch richtig lecker. Es gab immer Suppe zuerst, aber immer nur ein bißchen und das richtige Essen auf einem anderen Teller. Hinterher gab es dann "gestürzten Grießpudding" mit Himbeersaft, von dem hätte ich ja noch mehr essen können, da hätte die Oma besser größere Förmchen nehmen sollen. Abends brachte mich die Oma mit der Petroleumlampe nach oben in ihr großes Bett. Sie hatte das Bett schon mit einem Krug angewärmt. In dem Krug war ganz heißes Wasser und ein Stopfen war darauf, der nicht abgehen durfte, sonst würde ich mich verbrennen, aber er war ganz feste drauf und um den Krug herum war noch ein Handtuch gewickelt. In dem Bett war es richtig schön mollig warm, auch wenn es draußen und in dem Schlafzimmer ganz kalt war. Die Oma betete mit mir und ich fragte: "War ich lieb heute?" Sie sagte dann: "Ja, du warst lieb, dafür darfst du jetzt auch mit zuen Augen schlafen und mit nackten Füßen ins Bett gehen", aber das war ich ja schon. Sie sagte aber auch, dass "ich mitgehen dürfte, wenn andere zu Hause bleiben müßten" und "auf Kermes kriegste en Fleut", alles schöne Sachen. Ich war richtig froh und schlief ein. Eigentlich hatte die Oma jetzt ein gutes Leben mit mir!

Einmal, als ich wieder für längere Zeit bei der Oma in Homberg war - "die Mama ist krank", - hatte sie gesagt, holte mein Papa mich wieder nach Hause. Unterwegs sagte er: "Du hast ein Schwesterchen bekommen, der Klapperstorch war da." So war es denn auch! Meine Mama lag im Bett und das Schwesterchen lag in ihrem Arm, ich konnte es kaum sehen. "Es heißt Margret", sagte Mama. So richtig froh war ich aber nicht, denn Margret war ja doch arg winzig klein. Ich habe dann noch gefragt, so hat man mir das später erzählt, ob Margret denn nun "kategolisch" oder "kategelisch" sei und darüber sei gelacht worden und ich hätte mich geärgert.

Ich war aber noch öfter längere Zeit bei der Oma in Homberg. An einem Heiligabend haben wir alle dort Weihnachten gefeiert, sogar Papa war mitgekommen, weil er doch sonst immer auf Arbeit ist, Mama und Margret auch; die konnte noch nicht laufen und schlief meistens. Tante Minchen hatte wieder alles sehr schön feierlich gemacht mit Christbaum und vielen Kerzen, sogar Wunderkerzen. Tante Christel war mit ihrer Geige gekommen und Tante Minchen hatte sich ein schwarzes Klavier gekauft. Sie spielten und sangen wunderschön, alles Weihnachtslieder. Ich durfte mitsingen, ich war ja fünf und verstand schon was von Singen und so! Bei Oma und Tante Minchen bekam ich zu Weihnachten immer das, was ich mir vorher gewünscht hatte; was ich an dem Weihnachten bekam, weiß ich nicht mehr.

Tante Tetta war nicht gekommen. Sie war mit dem "Belger" zu ihm nach Hause gefahren, damit seine Eltern sie sehen konnten. Nach Weihnachten kamen sie zurück und waren jetzt verlobt und wollten bald heiraten. Die Oma war gar nicht froh und hat geweint darüber, aber es nützte nichts. Sie taten es doch! Jetzt merkte ich auch langsam, was los gewesen war: Tante Tetta war eine schicke Frau und roch immer lecker nach Parfüm und der Mann aus Belgien fand sie wunderschön. Tante Tetta war auch "berufstätig", wie Tante Minchen, wie sie sagte, bei einer Bank, was ich mir nun gar nicht vorstellen konnte. Einmal - da war ich noch vier - ging sie an einem Feierabend, als sie frei hatte, mit mir über die große Rheinbrücke nach Ruhrort. Da stand der "Belger" schon und wartete auf uns. Sie sahen beide ganz schick aus, und sie gingen mit mir in ein feines Café mit Kapelle und Musik und anderen lustigen Sachen: Bälle hochwerfen und wieder schnappen und so! Mich setzten sie an einen kleinen runden Tisch, ein Törtchen stand da und Kakao. Sie ließen mich da sitzen und der Belger drehte sich mit Tante Tetta immer im Kreise mit der Musik rundherum und sie winkten zu mir rüber; richtig lustig waren sie! Als wir über die Brücke wieder nach Hause gingen, sagte Tante Tetta zu mir, dass ich der Oma nicht sagen sollte, dass wir im Café Kronprinz waren, ich wollte das auch gar nicht tun. Der Belger war wieder in sein Quartier gegangen, die Tante zu ihrer Freundin Rieke, wie sie sagte; ich habe der Oma gesagt, dass wir nicht im Café Kronprinz waren. -

Als ich sechs war, kam ich in die Schule, da haben die beiden geheiratet und ich hatte einen Tag frei. Wir fuhren alle nach Homberg. Die Hochzeit war in Omas Wohnzimmer. Tante Minchen hatte alles sehr schön gemacht, mit vielen Blumen und so! Es war alles sehr feierlich, aber keiner sah fröhlich aus, alle machten traurige Gesichter. Aber dann hörte ich, dass die beiden schon morgen mit einem großen Dampfer nach Afrika fahren wollten. -.

So war es denn auch! Jetzt konnte ich die traurigen Gesichter gut verstehen, denn Afrika ist ja wei----t!

Die letzten Tage daheim! April 1927
Vor Onkel Güsts "Quartier". Als ich vier war. 1925.
Tante Tetta jetzt: Madame De Wolf

Ich war 1927 mit 6 Jahren in Hochemmerich in die evgl. Schule Krefelder Straße eingeschult worden. Gern bin ich zuerst nicht zur Schule gegangen. Es war ein weiter Weg, ich trödelte unterwegs oder pflückte Blümchen am Straßenrand oder im Feld dahinter; manchmal ging ich auch ein bißchen ins Kornfeld hinein und kam dann zu spät zum Unterricht. Einmal, da war die Klasse leer; Frl. Escher war mit den Kindern spazierengegangen, und ich ging wieder nach Hause. Als ich da war, klingelte es, die Kinder standen auf der Straße, schauten zum Fenster rauf und riefen meinen Namen. Mutter ging runter und sprach mit Frl. Escher. Andern Morgen mußte ich wieder zur Schule, aber es wurde mir eingetrichtert, dass ich nicht mehr trödeln und keine Blumen mehr pflücken sollte. Das tat ich denn auch nicht mehr. Frl. Escher war sehr freundlich zu mir und ich paßte gut auf! Als in der nächsten Woche ein Schulbild fotografiert werden sollte, war ich nicht da. Ich hatte mich versteckt! Alles suchte mich! Ich wollte nicht! Auf gutes Zureden kam ich dann mit. An meinem mürrischen Gesicht kann man aber sehen, dass mir die Hetzerei nicht gefallen hat. Ich habe das Bild noch heute und mache mir so meine Gedanken über meinen Gesichts-"ausdruck", denn die meisten Kinder sehen doch ganz freundlich aus. Ein paar Monate später kam ich in eine andere Schule, denn meine Eltern waren umgezogen, nicht weit weg von der schönen hellen Wohnung. Der Herr Pleines hatte Eigenbedarf für seine Schwester angemeldet, die heiraten wollte. Meine Eltern konnten nichts machen, sie mußten ausziehen. Meine Mutter lief nur noch mit rotgeweinten Augen herum, und der Vater sagte: "Frau, reg'dich nicht auf, wir kriegen doch 'ne andre Wohnung." So war es auch! Der Pleines hatte uns eine Wohnung in einem Haus angeboten, das ihm gehörte. Das war ein Mietshaus; wir sollten eine Parterrewohnung kriegen.- Eines Tages holte mein Vater mich in Hochemmerich an der Straßenbahnhaltestelle ab. Ich war in Homberg gewesen, als meine Eltern umzogen. Er ging gleich mit mir an der schönen, hellen Wohnung, die jetzt leer war, vorbei in die andere Wohnung. Den anderen Tag ging er mit mir in die neue Schule zu Lehrer Rüdiger, der war sehr streng, das hatte ich schnell raus. Bei meinen Rechenaufgaben, die ich für zu Hause aufhatte, malte ich um die Rechenkästchen bunte Blumenranken, das sah richtig schön aus. Lehrer Rüdiger war sich beim Nachsehen wohl nicht ganz sicher, er sagte: "Damit werden deine Aufgaben aber auch nicht richtiger!". Er zeigte mit seinem Finger darauf und schmunzelte ein bißchen in seinem Gesicht. Ich glaube, dass er die Blumenranken um die Rechenaufgaben doch ganz schön gefunden hat.

1929 starb "Vahder" Jakob Wefers, der Stiefvater meines Vaters; ich glaube, zwei Jahre zuvor war Vaters Mutter, meine "kleine Oma", gestorben. Vahder Jakob hatte oft erwähnt, dass der "Pitter", das war mein Vater, "dat Huus höbbe sal"! Das wurde von den Geschwistern Wefers denn auch akzeptiert, obwohl mein Vater ja ein Seiltgens war. Nun gut! Mein Vater wollte dieses Haus nicht, er scheute die Erbauseinandersetzung mit den 6 Wefersgeschwistern und dem nachgeborenen Halbbruder Gerhard. Meine Mutter jedoch sah "Licht am Horizont"... Wir lebten jetzt zwei Jahre in der lauten, dunklen Wohnung. Wir Kinder hatten unsere Mutter zunehmend launisch erlebt, sie war oft krank, hatte es mit den "Nerven", wie sie selbst sagte, und oft keine Lust mehr zu leben. Manchmal kam die Oma aus Homberg und redete ihr gut zu, dann ging es wieder eine Weile. Ich hatte mehr als meine Schwester darunter zu leiden. Sie schimpfte über alles mit mir, nichts konnte ich ihr recht machen. Es blieb auch nicht bei der Schimpfe, sie schlug auch kräftig zu und schüttelte mich an der Schulter, ganz entsetzlich! Wenn ich schrie, schüttelte sie mich noch mehr: "Willst du wohl stille sein---!" Das Häuschen jetzt bedeutete für sie: "Allein im eignen Heim im Grünen"! So war es nur natürlich, dass nach langem Hin und Her und vielen skeptischen Einwänden seitens des Vaters wegen der Finanzierung, er doch zusagte: "Frau, wenn es dir nur besser geht..."!

Im Mai 1930 zogen wir in Opa und Oma Wefers "Klein-Häuschen", das jetzt unseres war, ein. Es wurden Farben und Tapeten, Gips und anderes mehr gekauft, um das Haus von innen erst mal zu renovieren. "Alles der Reihe nach", sagte der Papa in seiner bedächtigen Art. Mein Vater hatte jetzt Kurzarbeit bei Krupp, weniger Geld in der Tüte, aber mehr Zeit, um alles selber zu machen, natürlich nach Mutters Vorstellungen: Hellgraue Fußböden, grün die Türen, ich sehe es noch: Margret und ich bekamen zusammen ein schönes Zimmer; vorher hatten wir im Schlafzimmer der Eltern geschlafen. Tante Minchen hatte preiswert einen weißen Schrank, Bett und eine Kommode mit Spiegel und Schubladen besorgt. Margret und ich schliefen in einem Bett, Margret 4, ich 9, kein Problem! An den Wänden war oben vorbei eine breite Borte mit Märchenfiguren in Schattenrissen geklebt. Es war alles sehr schön und roch wie neu. Die Mutter war im 7. Himmel, wirklich! Sie konnte singen und pfiff munter drauf los. Sie soll in ihrer Jugend das Pfeifen richtig gekonnt haben, aber wir hatten es noch nie von ihr gehört. Derweil kröste der Vater draußen herum, trug Poot in den Garten und so! Er guckte sich alles an, von allen Seiten und machte sich seine Gedanken.

In meiner neuen Schule "opte Geest" habe ich mich von Anfang an wohlgefühlt. Ich konnte das 3. Schuljahr gleich weitermachen. Lehrer Horn war ein geduldiger Lehrer, das war für mich besonders im Rechnen gut. - Sonntags ging ich in den Kindergottesdienst zur Dorfkirche. Jemand hatte mich eingeladen und mich abgeholt. Ich war in der Gruppe von Frl. Else, die war beliebt bei allen Kindern. Sie erklärte uns Geschichten aus der Bibel, sie tat das ganz eifrig und bekam oft funkelnde Augen und rote Flecken im Gesicht; es wurde gesungen, die Orgel spielte beim Hinausgehen. Wenn Frl. Else mich noch ein Stück mit nach Hause nahm, wir hatten fast den gleichen Weg, dann war ich den ganzen Sonntag fröhlich. An einem Sonntag besuchten uns die Oma und Tante Minchen, sie wollten doch sehen, wie alles geworden war. "Großartig", so sagte Tante Minchen immer, wenn ihr was gefiel. "Großartig", so rief sie mehrmals aus, und der Oma gefiel auch alles. Beide waren froh, dass Mutters "Schlechte-Laune-Zeiten" nun vorüber waren. Wir tranken noch draußen Kaffee, aßen mitgebrachten Kuchen, und Tante Minchen las Briefe aus Afrika vor und zeigte Fotos. Margret und ich hatten jetzt dort einen Vetter Henry: "Das ist er", "ist der süß", "diese Locken"; "was sind das aber für schwarze Leute daneben?" "Ja, das ist Henrys Kinderfrau und das Tante Tettas Boy!" Ach so! "Tante Tetta muß sich 3x am Tag umziehen, jedes Teil ist dann durchgeschwitzt, so heiß ist es da." Auf den Fotos war Tante Tetta ganz Madam De Wolf, nicht durchgeschwitzt... Tante Minchen hatte abends noch "Stunde", und deshalb mußten sie und die Oma die nächste Straßenbahn nach Homberg nehmen, sie bekamen noch einen Fliederstrauß mit, und ein schöner Tag ging zu Ende.
Wie meine Eltern das mit der Finanzierung des Hauses und mit der Auszahlung der Wefersgeschwister gemacht hatten, darüber haben sie in meinem Beisein nie gesprochen. Später hörte ich was von "Hypothek op et Huus u. van Zensen för dän Bäcker", womit ich nichts anfangen konnte. Noch 1931 kamen meine Eltern in eine finanzielle Lage, die mein Vater trotz seiner Skepsis so schnell nicht hatte vorhersehen können. Wir wohnten kaum zwei Jahre in unserem Häuschen, als mein Vater arbeitslos wurde und "stempeln" mußte.  Nun war es gut, dass Land da war für Kartoffeln, der Garten für Obst und Gemüse, Eier von eigenen Hühnern und Karnickel im Stall. Unsere Mutter sang und pfiff schon lange nicht mehr. Das Arbeitslosengeld mußte wöchentlich geholt werden, davon zweigte der Papa erst mal das Geld für die Zinsen ab, den Rest bekam Mutter auf die Hand. Das Zinsengeld kam in die große Kleiderschrankschublade, die Vater mit einem Schloß versehen hatte, das nur von ihm geöffnet werden konnte, er sagte nichts dazu, es war so; ja, so stur konnte er sein! Mutter hätte ja auch zwei oder drei Stunden am Tag arbeiten können, aber das wollte sie nicht, dabei wurde sie immer unleidlicher. Es reichte eben nicht hin und nicht her. Alle 3 Monate brachte der Vater die Zinsen zum Bäcker Lensen, ein Freudentag trotzdem für uns Kinder, denn jedesmal kam er mit einer großen Tüte Gebäck nach Hause, die die Bäckersfrau ihm mitgegeben hatte, und für die Mam ein paar Brötchen und einige Scheiben gekochten Schinken, den sie so gern auf Brötchen aß; hurra!
Aber mit Mutter wurde es immer schlimmer, sie tobte oft regelrecht, warf mir Dinge nach, was gerade dalag, Schuhe, die dann durch die Scheibe flogen, weil ich mich noch schnell gebückt hatte, einen Schirm, der auf meinem Rücken zerbrach. Komischerweise war mein Vater nie dabei, er wußte nichts von diesen Wutanfällen, und ich habe ihm nie etwas gesagt. In dieser Zeit, aber auch später, lag die Mutter oft in ihren Sachen im Bett, zog das Bettzeug über den Kopf und war für keinen zu sprechen. Papa war unglücklich, er war solchen Situationen einfach nicht gewachsen.
Einmal, Margret und ich lagen schon im Bett, kam der Vater und sagte, ich solle doch zu der Mam gehen, die heulte sich die Augen aus dem Kopf, ich sollte ihr sagen, dass "es mir leid täte". Ich wußte nicht, was mir leid tun sollte, war mir keiner Schuld bewußt. Dem Papa zuliebe ging ich denn hin und sagte: "Mir tut es leid," und war wieder weg. Ich glaube nicht, dass es geholfen hat. Ich war noch keine 11.

Für Weihnachten 1932 hatte Frl. Else im Kindergottesdienst ein Krippenspiel mit uns eingeübt. Die Kinder machten begeistert mit, hatten Spaß, dass sie sich verkleiden durften, den Leuten im Gottesdienst gefiel die Aufführung, und Frl. Else freute sich, dass alles gut geklappt hatte, ihre Augen "glühten", und sie hatte wieder rote Flecken in ihrem Gesicht vor Eifer. Keiner wußte, dass sie nicht wiederkommen würde; vielleicht wußte sie das selber nicht so genau. Aber es war so, sie kam nicht wieder zurück.

Andern Tag war Heiligabend, Mutter, Margret und ich fuhren nach Homberg. Oma und Tante Minchen wohnten jetzt in einer andern Wohnung, die größer und schöner war. Es hatte sich aber sonst noch einiges verändert; Vetter Henry aus Afrika war, 21/2 Jahre alt, mit seinen Eltern auf Heimaturlaub gekommen und sie ohne ihn nach Afrika, aber in eine andere Stadt, zurückgereist. Henry sollte nun die nächsten 3 Jahre bei Oma und Tante Minchen leben. So war es lange vorher geplant und nun Wirklichkeit geworden. Henry wurde radikal von seinen Eltern getrennt, er verstand nicht deutsch, alles war ihm fremd, er schrie in der ersten Zeit ununterbrochen nach seiner Mama. Auch wir kriegten einiges davon mit, wenn Oma zu uns kam, wenn sie mit Henry nicht mehr weiterwußte.
Nun hatte er sich langsam "eingelebt", verstand alles, konnte sich mitteilen, redete schon deutsch; wir hatten ihn alle gern und zeigten es ihm. Er wußte, dass seine Eltern ihn wieder zu sich holen würden; Tante Minchen tat alles, um seine Erinnerungen an sie aufrecht zu halten; dazu trug auch ein reger Briefwechsel bei und Fotos. - Jetzt war es soweit, dass Henry zum erstenmal mit uns Weihnachten feierte. Tante Minchen begleitete wie immer die Lieder auf dem Klavier, das hatte was Beruhigendes, aber unter dem Tisch schauten die Geschenke hervor, mit einem Bettuch abgedeckt, also schnell die Strofen zu Ende singen... Für jedes von uns Kindern ein "großesTeil", das hatten wir schon erkannt, aber was war es!? Für Henry ein großes Tretauto, rot! Leider konnte er in der Wohnung noch nicht viel damit anfangen als drinzusitzen, aber auch das machte Spaß mit den entsprechenden Motorengeräuschen. Margret bekam ein zweistöckiges Puppenhaus, und ich die heißbegehrte Gitarre, ich konnte es nicht fassen! Ich mußte mich bei Tante Christel bedanken; sie hatte es von Berlin aus, wo sie eine Lehrerinstelle in Spandau innehatte, möglich gemacht. Für jeden war ein Teller voller Süßigkeiten da, das war für Margret immer das Wichtigste. Es war wieder rundherum ein schönes Heiligabendfest. Ich glaube, es war das letzte für Margret und mich in Homberg.

Bei ihrem nächsten Heimaturlaub brachten Tante Tetta und Onkel Güst René mit, ein Brüderchen für Henry mit hellblonden Locken, wie Henry seiner Zeit 21/2 Jahre. Als ihr Heimaturlaub beendet war, nahmen sie beide Kinder mit sich zurück nach Afrika, für Henry wieder eine drastische Änderung in seinem jungen Leben. Nach wiederum 3 Jahren haben Margret und ich einen ernsten, guterzogenen Vetter Henry wiedergesehen, mit dem wir nicht reden konnten, der uns nicht verstand und nicht mehr wußte, wer wir waren. Er und René lebten weiterhin mit ihrer Mutter in Brüssel, Onkel Güst ging allein nach Afrika zurück, für längere Zeit als nur 3 Jahre, da der 2. Weltkrieg tobte - hier und überall in der Welt, auch in Afrika!

Nach 1945 wurden die Familienbande wieder neu geknüpft. Unsere Mutter war öfter für mehrere Wochen in Brüssel, Papa nie, ich einmal ein Wochenende, Margret hatte einen schönen Urlaub mit Vetter Henry zur Zeit der Weltausstellung. Er zeigte ihr die "große Welt". Margret glich Tante Tetta in vieler Hinsicht, vor allem ihr schicker "Auftritt", und das imponierte unserem Vetter sehr. Er war in der ganzen Welt gewesen, war Pilot bei der Sabena; eine Familie hatte er nicht! Während ich an meinen Erinnerungen schreibe, bekam ich die Nachricht, dass Henry, 72jährig, in Brüssel in einem Pflegeheim gestorben ist. Meine Schwester Margret starb 1982, 56jährig.

Ob mein Vater oder meine Mutter den Gedanken hatte, ein Zimmer zu vermieten, um mehr Geld zu haben, weiß ich nicht, es kam aber so! Das Schlafzimmer meiner Eltern oben wurde für einen alleinstehenden Herrn eingerichtet, also möbliert vermietet. So kam Herr Krüger in unser Haus, ein netter Mann, der eine Posaune bei sich hatte und sagte, dass er öfter darauf blasen müßte, nun gut! Er blies denn auch, - denn er war in einem Musikkorps. Mutter war nicht so begeistert, da aber Herr Krüger die Ruhestunden einhielt und auch sonst ein höflicher Mann war, fand sie sich mit dem Blasen ab. Wir sahen ihn auch einmal in einem Spielmannszug, so im Marschtritt - rumsassa - , Mutter gefiel das! Herr Krüger wohnte ein Jahr oder etwas länger bei uns, dann heiratete er und zog aus. Dann zog eine Frau mit ihrer 3jährigen Tochter ein, und Mutter brauchte oben nicht mehr zu putzen. Sie wohnte nicht lange bei uns, vielleicht 4 Monate, dann holte ihr Mann, dem sie weggelaufen war, sie wieder nach Hause. Vater sagte: "Frau, wir werden wohl 2 Zimmer vermieten müssen!" Das hieß nun, dass wir, Margret und ich, uns von unserem Zimmer zu trennen hatten, das war bitter, aber es kam so! Unser Bett und die anderen Möbel wurden ins Wohnzimmer gerückt, der Wohnzimmerschrank zusätzlich in die Küche, das Problem war gelöst, es war aber alles viel enger geworden.

Dass wir nun zwei Zimmer vermietet hatten, war ein Zeichen, dass wir mit dem Geld noch schlechter dran waren. Für uns Kinder ging nichts mehr, gleich, was war; auch was wir für die Schule brauchten, für handarbeiten, zeichnen, werken oder ob es sich um Hefte handelte, nichts ging mehr, "nein, nein und nochmals nein!" Besonders ich glaubte, dass wir eine ganz arme Familie sein müßten. Auch durfte ich einen Schulausflug, der was kostete, nicht mitmachen. Einen Badeanzug bekam ich nicht; einer, den ich geschenkt bekam, ging mir bis an die Knie und war auch sonst zu groß, eine Badekappe, die sein mußte, mußte nicht sein! Ich hätte gern ein Tarso-Messerchen für werken gehabt. Konrektor Behmenburg machte schöne Holzarbeiten mit uns, aber ein Messerchen mußte sein. Nichts! Ich durfte nichts kosten! Dann die ewige Schimpferei zu Hause ...! Herr und Frau Mohr wohnten jetzt schon längere Zeit mit ihrem Baby bei uns, da hätte es doch so langsam besser werden müssen, so naiv dachte ich damals. -

Auf meiner Gitarre durfte ich auch nicht üben, weil das "Geklimpere", sagte Mutter, ja nicht zum Aushalten wäre, auch das Üben auf der Blockflöte ging ihr auf die Nerven. Als ich einmal, als Mutter im Garten war,und ich sollte das Zimmer putzen, auf der Gitarre übte, denn es mußte sein; Kathrinchen Kroppen, die mir ohne Geld zu nehmen Unterricht gab, sagte, dass ich mehr üben müßte; da, auf einmal, es war gar nicht laut gewesen, kam meine Mutter rein, faßte wütend die Gitarre am Hals und haute sie mir auf den Kopf, die Gitarre war hin für mich, wie sie aussah! Kathrinchen konnte das nicht begreifen, sie gab mir den Rat, den Schreiner Wicklaus zu fragen, ob er sie wieder in Ordnung bringen könnte, das tat ich denn und konnte die Gitarre gleich bei ihm lassen. Nächste Woche sollte sie fertig sein! Aber was jetzt? Würden meine wenigen Groschen in der Spardose reichen? Nie im Leben! Ich faßte mir ein Herz und bat Mutter um etwas Geld für die Reparatur, die sie "veranlaßt" hatte! Wirklich, so wütend habe ich sie noch nie gesehen, sie tobte rum, ich lief weg. Ich faßte mir wieder ein Herz und ging zum Schreiner Wicklaus. Die Gitarre stand da, er hatte sie fein in Ordnung gebracht. Ich stotterte, was ich bezahlen müßte, und hatte die Groschen in der Hand, er sagte: "Pack die mal weg, das kostet nichts, jetzt kannst du wieder fleißig üben!" Das hätte er der Mutter am besten sagen sollen! Ich habe nie wieder geübt, und zu Kathrinchen bin ich nie wieder gegangen, ihr war es wohl ganz recht, denn eine Schülerin, die nicht üben durfte, das ging ja nicht.

Nach vielen Jahren fragte sie mich, als wir uns mal zufällig trafen: "War deine Mutter immer so streng zu dir?" Auch von Tante Christel wurde ich mal gefragt, ob ich denn "Fortschritte" auf der Gitarre machte. Ich habe ausweichend geantwortet, ich weiß nicht mehr, was ich gesagt habe, aber von dem "bösen Erlebnis" mit der Mutter habe ich nichts gesagt.

1933 kam das große "Wunder" über uns: unser Vater bekam seine Stelle als Maschinist bei seiner alten Firma Krupp wieder. Mutter wollte am liebsten auf dem Tisch tanzen, sagte sie, und: "Ich hab es doch gewußt, dass der das schafft, ich hab es dir doch immer gesagt!" Viele Bekannte und Väter von Mitschülern konnten ebenfalls aufatmen, nun wieder eine Arbeitsstelle und ein geregeltes Einkommen zu haben. Einige, die wir kannten, hatten bessere Stellen als vorher und machten ganz schnell Karriere in den Kruppschen Betrieben, meinen Vater störte das nicht, meine Mutter wohl, sie sagte: "Warum die und nicht du?" Mein Vater: "Wart's ab, Frau!" Dann konnte meine Mutter wieder richtig giftig werden, und wir, meine Schwester und ich, dachten, dass diese Zeiten nun vorbei seien. Manchmal kamen auch braun Uniformierte zu uns und führten z.T. heftige Debatten mit meinem Vater, um ihn zum Eintritt in die Partei zu bewegen, aber mein Vater wollte nicht und ließ sich auch nicht von der Mutter dazu überreden. Er ließ sich dann wohl als Kassierer bei der NSKOV anwerben, das war die NS Kriegsopferversorgung vom 1. Weltkrieg her; überall war jetzt das "NS" davor gesetzt worden. -
Auf den Straßen sah man jetzt schon viele Menschen, die braune Kleider und braune Uniformen trugen, die in Gruppen singend durch die Straßen marschierten, mit einem Wimpel vorweg; das sah sehr zackig aus und hörte sich auch so an.

Dann sah ich eines Tages Frl. Else vom Kindergottesdienst wieder, vor ihrem Elternhaus mit dem Lebensmittelgeschäft, an dem ich jeden Tag auf dem Schulweg vorbei mußte. Sie stand da in Uniform des BDM; sie sah gut aus! Mit freudigem Herzklopfen blieb ich bei ihr stehen, um sie zu begrüßen, aber - ob sie mich nicht erkannte? Sie schaute mich nachdenklich an, atmete so langsam tief ein, als ob sie wohl was sagen wollte, dann kamen die Leute, auf die sie wartete, sie waren auch in Kletterwesten, und sie gingen zusammen weg - ich stand da - Einige Tage später trugen die Mädchen meiner Klasse Abzeichen aus Porzellan an ihren Blusen oder Pullovern; ich kaufte mir auch eines, es war aus Stoff und kostete nicht so viel, und es gefiel mir. Es stand wohl überall dasselbe drauf: "Heil dem Führer", das hatte ich an meiner Jacke festgemacht. Einige Tage später, auf dem Weg zur Schule, überholte mich der jüngere Bruder von Frl. Else, der in meiner Klasse war, er schaute sich um und zeigte auf das Abzeichen, blieb stehen und fing an, mich zu verhauen, er schubste und stieß mich dabei immer weiter in das Kornfeld hinein, riß an dem Abzeichen herum und sagte: "Das darfst du gar nicht tragen, dein Vater ist ja ein Kommunist! Mach das bloß ab!" Dann lief er weg zur Schule, ich auch! Zuhause fragte ich meinen Vater, ob er ein Kommunist sei und was das wäre, ich dachte, dass es ganz was Schlimmes sei. Mein Vater sah mich auch so nachdenklich an, kam nicht gleich mit seiner Antwort heraus, - und ich war nicht schlauer als vorher! Am nächsten Lohntag kaufte er mir eine "Kletterweste" im Kruppschen Konsum und machte mir das Stoffabzeichen, das ein bißchen ausgefranst war, an der Kletterweste fest. Vielleicht durfte ich jetzt mitmarschieren und mitsingen. Das nächste Mal ging ich einfach hin, Anni, meine Freundin, die in der Schule neben mir saß, sprach mir zu. Sie war die Größte und trug den Wimpel der Gruppe. Die Kleinen mußten sich hinten aufstellen, ich war ziemlich hinten, denn vorher mußten wir uns aufstellen, wie es hieß, der Größe nach, und dabei kam es heraus, wer hinten oder vorne marschieren mußte. Ein etwas älteres Mädchen lief nebenher, es war die Gruppenführerin, die bestimmte, wann und was gesungen wurde, sie rief: "Im Gleichschritt 1 - 2 - 3", dann sangen alle "Wenn die bunten Fahnen wehen", "Aus grauer Städte Mauern", "Ich bin ein deutsches Mädchen und hab die Heimat lieb", das gefiel mir!
Wir kamen in einer "Festhalle" an; es waren schon viele Gruppen da, das war an den Wimpeln zu sehen, die über die Köpfe hinausragten; dann stand auf einmal Frl. Else auf der Bühne, sie sprach ziemlich laut, wie es jetzt weitergehen sollte, sie organisiere das alles, wäre zuständig und verantwortlich in unserer Stadt für die Jugendarbeit der Mädchen, die im BDM = "Bund deutscher Mädchen" vereint waren oder noch würden, sie sorge auch dafür, dass alle christlichen Vereine z.B. CVJM sich möglichst geschlossen dem BDM anschließen und integrieren würden, was sich aber später als viel schwieriger herausstellte, wie sie und ihre Vorgesetzten es sich gedacht hatten. Frl. Else nannte noch ihren Namen und sagte, dass sie für alle "Else" sei und geduzt würde. Sie war unermüdlich und eifrig mit ihren braunen, feurigen Augen und dem roten Gesicht, wie ich sie kannte. Gelegentlich traf ich kleine Person noch mit ihr zusammen, z.B. als eine Volkstanzgruppe gegründet werden sollte, ich hätte gerne getanzt; ich fragte Else, es standen noch andere Mädchen um sie herum, doch auf meine Frage reagierte sie nicht, sie sah mich nicht, ich war nicht für sie da - -, später sah ich sie gar nicht mehr, da organisierte sie auf "Kreisebene" und noch später hatte sie ihre Dienststelle in Kleve, war Gau-, dann Obergauführerin für den ganzen Niederrhein zuständig, ich sah sie nie wieder, das letzte Mal, als ich gern tanzen wollte - Frl. Else starb bei einem Bombenangriff 1945, als die Alliierten um die Stadt Kleve kämpften, in ihrer Dienststelle.

1934

In der Schule war ich nun in der Oberstufe, in der Klasse von Rektor Horlebeck, hier - so muß ich jetzt gestehen - ließen meine Leistungen nach, auch mein Betragen ließ zu wünschen übrig. Oft wurde ich zur "Einsicht" auf den Flur geschickt. Wir hatten neue Lehrbücher bekommen: "Rassenkunde", "Blut und Boden", "Führer, Volk und Vaterland" und einiges mehr, darüber sollte uns der alte Mann, der kurz vor seiner Pensionierung stand, was beibringen, er verstand die Welt nicht mehr! Meist fuchtelte er in der Klasse herum, dass wir alle nichts taugten und dass aus uns sowieso nichts werden würde, das immer, wenn er nicht weiterwußte. Den jüngeren und strengen Lehrer Frenzen hatten wir im Rechnen, ich konnte ihm jedoch nicht "folgen" und brauchte Vaters geduldige Nachhilfe. Vaters Geduld brachte aber wieder die Mutter "auf die Palme", sie legte drohend ein Stocheisen auf den Tisch, als ob ich das dann schneller kapieren würde ...

Dann bekam Mutter eine Einladung, mit Margret nach Schierzig-Hauland zu kommen, für 2 oder 3 Wochen zu Tante Christel und Onkel Heinrich, die sich als Kollegen in Spandau kennengelernt hatten und nun verheiratet waren. Onkel Heinrich hatte noch nicht lange eine Lehrerstelle an der einklassigen Schule in diesem Ort in der "kalten Heimat" (wie mein Vater sagte). Sie hatten sich in dieser einsamen Gegend häuslich niedergelassen und eingerichtet. Margret wurde hier in der Schule abgemeldet, da sie von Onkel Heinrich unterrichtet werden konnte. Alles war bestens!

Mutter und Margret fuhren also nach Schierzig-Hauland und Papa und ich waren allein im Haus. Papa kochte als Erstes einen großen Topf Kartoffeln mit Schale, auf Vorrat sozusagen, das hatte er sich gut überlegt! Ich machte auf seine Veranlassung die Pelle ab, er schnitt Scheiben in die Pfanne, Zwiebeln und Salz drauf; wenn sie ordentlich gebruzzelt hatten, wurde das Ganze gewendet, dann kam die Hauptsache, die Eier, denn wir hatten ja Hühner! Auf die gebruzzelten Kartoffeln wurden die Eier geschlagen, Spiegeleier - jeden Tag! Wenn es schnell gehen mußte, nahm Papa die Herdringe aus der Mitte weg und stellte die Pfanne so direkt auf's Feuer, da wurde natürlich auch schon mal was schwarz, und wenn ein Topf Kartoffeln direkt auf dem Feuer stand, war manchmal ganz schnell das Wasser weggedampft, und die Kartoffeln waren dann stark auf dem Boden des Topfes verschmort, das stank entsetzlich und ging nicht wieder ab. - Eines Tages kam die Oma; schon als sie reinkam, fing sie an zu schimpfen: "Nä, nä, nä, os Lisken." Ich sehe sie noch schimpfend an den Pötten und Pfannen rumscheuern. Sie machte die ganze Küche wieder ordentlich und kochte uns einen großen Topf Suppe für 2 Tage, dann aber mußte sie zu Minchen, die um 5 nach Hause kam und ihren Tisch gedeckt haben mußte.

Als Mutter wieder da war, schimpfte sie gleich los: "Wie das alles aussieht hier", aber sonst hatte der Aufenthalt bei Tante Christel ihr wohl gut getan! Sie erzählte ausgiebig von den Bauern in der Gegend, für die die Lehrersfamilie und ihr Besuch was Besonderes waren. Jedenfalls hatte der Mutter die Gastfreundschaft der Menschen dort bei Schlachtfesten und Hochzeitsfeiern, zu denen sie immer mit eingeladen war, sehr imponiert. Margret war wieder froh, dass sie zu Hause war, ihre Freundinnen hier hatte sie sehr vermißt. Für mich kam dann eine Einladung von Tante Minchen, mit ihr und den jungen Mädchen vom CVJM, einer Gruppe, die sie schon einige Jahre betreute, an einer Freizeit in Haus "Heimatruh" im Honigstal bei Elberfeld teilzunehmen. Ich kannte die Mädchen, die alle älter als ich waren, von gelegentlichen Aufenthalten in Homberg, wenn Tante Minchen mich mit zu ihren Abenden genommen hatte, und ich freute mich, dass ich wieder mit nach Haus "Heimatruh" kommen durfte, ich war ja immer noch das "Kücken" in der Gruppe.
Mir hat es in Haus "Heimatruh" wieder gut gefallen, die Mädchen waren alle nett zu mir. Wir haben viel gesungen, einige hatten Gitarren dabei: "Wir wollen zu Land ausfahren", "Wenn die bunten Fahnen wehen", "Ich bin ein deutsches Mädchen und hab die Heimat lieb". Drei der Mädchen, die schon 18 waren, hatten ihren besonderen Spaß, da sie die Zusage aus Kreuznach und Kaiserswerth bekommen hatten, als Lernschwester dort anzufangen. Alle freuten sich mit ihnen.

Da kam bei mir zum erstenmal der Gedanke auf, Schwester zu werden, ich würde mich erkundigen, denn etwas Zeit hatte es wohl noch... Es kam sowieso ganz anders! Mutter sagte: "Das schlag' dir aus dem Kopf." Dachte ich mir's doch! In der Schule wurden wir von einem Herrn vom Arbeitsamt nach unseren Berufswünschen gefragt, bei mir schrieb er Schwester auf. Im Konfirmandenunterricht sagte ich auch, dass ich Schwester werden wolle; Pastor Dorfmüller, obwohl er schon alt war, wir waren seine letzten Konfirmanden, merkte sich das alles im Kopf! Einen Nachmittag machte ich mich fertig für den Konfirmandenunterricht, Trudi wollte mich abholen. Ich hatte meine Bücher unter dem Arm und lief über den Hof Trudi entgegen, sie kam immer hintenrum. Meine Mutter machte kleine Handwäsche auf dem Hof in einer Wanne, die zwischen zwei Stühlen stand, sie rief mich zurück, hob ein Teil aus der Lauge hoch und zeigte mir was, sie hielt es mir unter die Nase, grüne und braune Stellen in meinem weißen Voilekleid: "Sieh' dir das an, was ist das, habe ich dir nicht immer gesagt..." und so fort. Sie holte das Kleid noch einmal aus der Lauge, faßte es mit beiden Händen zusammen und klatschte es mir zack-zack rechts und links um die Ohren. Ich war voller Lauge, mußte ins Haus zurück und mich säubern und abtrocknen, auch die Bücher hatten was abgekriegt. Es war ein Kleid, das ich in Haus "Heimatruh" beim Sitzen auf einer Bank oder im Gras beschmutzt hatte. Trudi war schon vor mir weitergegangen, sie konnte nicht aufhören zu lachen "wie das ausgesehen hat". Ich schämte mich, ja, ich schämte mich sehr! - Nach vielen Jahren bei einem Klassentreffen hat Trudi mich lachend noch einmal an den Vorfall mit der Lauge erinnert, "weißt du das noch"? Ich wollte es nicht hören und sagte nur "ja - ja".

1935

Die Familie Mohr war nun in eine größere Wohnung gezogen, da Frau Mohr ein zweites Kind erwartete. Margret und ich hatten das Zimmer wieder für uns; ich war 14 geworden, kam Ostern aus der Schule und wurde danach konfirmiert. Am Sonntag der Konfirmation kam Tante Minchen schon morgens und ging mit mir zur Kirche. Nach dem Gottesdienst freute sie sich sehr über meinen schönen Spruch: "Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen, aus lauter Güte." Ich wußte nichts damit anzufangen und dachte: "Sie muß es ja wissen!" Ich bekam ein Gesangbuch von ihr und von Oma, die nicht mitgekommen war, eine Armbanduhr. Margret hatte mir aus Wolle einen kleinen, runden Taschentuchbehälter mit einem Taschentuch drin, das mit der Spitze rausschaut, gehäkelt; ich war gerührt.
Wir aßen zu Mittag, Mutter hatte gut gekocht, Rindfleischsuppe vorher. Von Nachbarn und Verwandten, die ich kaum kannte, bekam ich Grüße und Blumen geschickt, alles Hortensien; wie Papa sagte, ließen sie sich gut verpflanzen, es würden schnell große Büsche daraus und die sähen gut aus. Später, am Kaffeetisch, sagte Mutter, dass sie im September ein Kind erwarte, dass Margret und ich ein Brüderchen bekämen, denn das wolle sie gern haben. Papa schmunzelte ganz zufrieden vor sich hin, Mutter schien es auch gut zu gehen. Tante Minchen tat überrascht, weil Mutter schon 40 Jahre alt war, Mutter war deswegen ganz zuversichtlich! Dann mußte Tante Minchen wieder weg, ich brachte sie zur Straßenbahn. -

Pastor Dorfmüller hatte mich nach dem Gottesdienst gefragt, ob ich Zeit hätte, nächste Woche einen Tag mit seiner Frau nach Kaiserswerth zu fahren, ich brauchte ja jetzt nicht mehr zur Schule, seine Frau hätte was mit der Oberin zu besprechen. Während der Besprechung würde die Schwester Grete Schmitz, die aus Friemersheim war und ihre Lehre schon beendet hatte, mich durch die Anstalt führen und mir alles erklären, denn ich wollte ja auch Schwester werden. Frau Pastor hatte alles schon telefonisch geregelt. Ich freute mich, hatte aber einige Bedenken, denn Frau Pastor war blind. Pastor Dorfmüller sagte aber, dass seine Frau den Weg dahin gut kenne und über eine gute Orientierung verfüge, sie nur nicht ohne Begleitung sein könnte. Er gab mir noch einen Zettel mit Datum und Uhrzeit des Treffens am Pastorat, und ich dachte schon mal nach, wie ich Frau Pastor wohl helfen könnte, - ich hatte Angst. Es ging aber alles gut, zuerst mit der Straßenbahn bis zum Bahnhof Friemersheim, dann nach Duisburg Hbf., Frau Pastor löste die Fahrkarten am Schalter selbst, ich sah ihr zu dabei, wie sie das Wechselgeld nachzählte und wegsteckte, dann die Stufen hinunter und wieder hoch zum Bahnsteig und in den Zug nach Duisburg, dort mit der D-Bahn Richtung Düsseldorf bis Kaiserswerth. Im Diakonissenmutterhaus ging alles so, wie Frau Pastor es vorher am Telefon geregelt hatte. Schwester Schmitz zeigte mir viele Häuser, einige auch von innen, sie erzählte von ihrer Ausbildung und wie gern sie hier arbeiten würde, sie brachte mich ins Zimmer der Oberin zurück und verabschiedete sich. Frau Pastor und ich bekamen noch Kaffee und Kuchen, ich bekam noch ein Orientierungsheft über die Anstalt und eine Schrift mit, die alles über die Ausbildung und Vorbildung enthielt und was mitzubringen sei, es war ziemlich viel. Zu Hause sagte Mutter wieder: "Schlag es dir aus dem Kopf, lern erst mal was im Haushalt, das kannst du immer gebrauchen!" Das alte Lied. Meine Eltern haben sich beide nicht bemüht, die Informationen über eine Ausbildung oder Vorausbildung, die ich aus Kaiserswerth mitgebracht hatte, zu lesen, sie nahmen sie nicht zur Kenntnis, und sie haben sich auch nicht mit meinem Anliegen nach einem anderen Weg, der auch zu diesem Beruf geführt hätte, befaßt.

Es war jetzt Mai 1935 und Mutter legte fest, für einige Zeit nach Frielinghausen zu ihrer Schwester Christine und ihrem Schwager Heinrich zu fahren, die vor kurzer Zeit von der "kalten Heimat", wie Papa gesagt hatte, die aber doch nicht so kalt war, wie Mutter sagte, sie war ja mit Margret mal da gewesen, nach Frielinghausen umgezogen waren. Sie hatten den kleinen Hinrich mitgebracht und im März 35 war noch Hanns-Martin (mit zwei "n") angekommen.

Der Onkel Heinrich hatte eine Lehrerstelle ganz allein für sich in Frielinghausen, wo ihm keiner reinreden konnte! - Die Wohnung war sehr groß und lag über dem Klassenraum und, wie die Mutter später erzählte, war alles sooo idyllisch!
Mutter fuhr also nach Frielinghausen, um Tante Christel und Onkel Heinrich beim "Eingewöhnen" zu helfen. Onkel Heinrich hatte seine Schwägerin gern um sich, denn sie entfaltete in seinem Beisein ihre Frohnatur und ließ sich seine spröde Art mit ihr zu schäkern und seinen hölzernen Charme gern gefallen. Und wie sie lachen konnte..., das war ein richtiger rheinischer Wasserfall und dat tat dem Schwager Griesgram westfälischen Geblütes so richtig gut. Der Tante übrigens auch! Sie konnte sehr spontan reagieren, aber das Lachen kam eher stockend aus ihr heraus. So tat auch ihr das Lachen ihrer Schwester gut, sie hätte es - vor allem für "Hein-chen" - gern viel öfter um sich gehabt. - Margret war, während Mutter in Frielinghausen war, zur Kinderlandverschickung in Puderbach im Westerwald und ich noch einmal eine Woche in Haus "Heimatruh". Es war das letzte Mal, dass wir dort tagen konnte, denn von nun an (1935/36) waren alle christlichen Aktivitäten untersagt. Es war unter den weniger gewordenen Teilnehmern dieser letzten Freizeit eine gedrückte Stimmung. Wir sangen zwar noch, aber Fröhlichkeit wie früher war nicht. - Es war noch 1935 -! Und das Jahr hielt noch ein großes Ereignis für die Familie bereit:

Am 18. September kam das Brüderchen auf die Welt, zu Hause, wie das damals so üblich war! Ich kam hintenrum zur Türe rein, kam von Homberg mit dem Rad und hatte Oma Bescheid gesagt, dass es "soweit" sei, da kam die Hebamme mit dem zappelnden Brüderchen, Kopf nach unten und an den Füßen gepackt aus dem Elternschlafzimmer. Das war ein dicker Brocken!! 11 Pfund und etwas - Oma kam zur Tür rein -. Elf Pfund "Nä, Nä, Lisken" sagte Oma. Papa war auf Arbeit. Ich lief zu Margret in die Geestschule um ihr zu sagen, dass das Brüderchen angekommen sei und dass es Klaus-Peter heiße. Wieder zu Hause war Oma noch da und kochte gerade Suppe für zwei Tage, denn länger als heute konnte sie nicht bleiben, um 5 kam Minchen nach Hause - Mutter war aber schnell wieder auf den Beinen, sie pfiff und trällerte, und ich wurde im Oktober nach Frielinghausen geschickt zu Tante Christel, ihr bei ihrer Arbeit mit den zwei kleinen Jungens zu helfen. "Da kannst du gut was lernen, das willst du doch", sagte Mutter. Ich hatte aber Herrn Frenzen auf der Kaiserstraße getroffen und versprochen, zu Weihnachten im Chor mitzusingen, nun ging das nicht! Ich fuhr nach Frielinghausen, d.h. nach Lennep. Da holte Onkel Heinrich mich am Bahnhof ab. Wir gingen zu Fuß, anders ging nichts! Er drei Schritte vor mir, ich hinter ihm her so gut ich konnte. Manchmal guckte er sich um, ob ich noch da war. Mindestens eine Stunde bis Frielinghausen und kein Wort gesprochen - sehr idyllisch! Mit Tante Christel verstand ich mich dann gut, wir sangen zusammen, sie brachte mir neue Lieder bei oder frischte alte Lieder auf, sang die zweite Stimme oder begleitete auf dem Klavier. Ich glaube, dass sie meinte, dass mein Gehör noch geschult werden müßte. Nach der Gitarre hat sie mich viel später mal gefragt, als ich die schon durch die Welt geschleppt hatte und sie am Ende doch in Riga stehen lassen mußte.

In der Weihnachtswoche war ich wieder zu Hause, mußte Mutter beim Putzen helfen. Für die Geburt des Brüderchens hatte sie das Mutterkreuz vom Führer bekommen, nicht von ihm persönlich, aber sie war "obenauf".

1936 heiratete Tante Minchen einen Kollegen von Stock und Hausmann, und wir kriegten einen Onkel Hermann. In der Kirche war es sehr feierlich, ich habe geweint, denn Tante Minchen war ja meine Patentante. Es änderte sich aber nichts bei ihr, nur dass Onkel Hermann jetzt bei Tante Minchen und der Oma wohnte. Ich bekam eine Stelle um Haushalt richtig zu lernen bei Wittfeld und hatte endlich erreicht, dass ich singen gehen durfte, einmal die Woche abends zum Kirchenchor und an den Feiertagen in den Gottesdiensten. Mit Margret habe ich alles zu Hause nachgeprobt. Wir hatten noch unser Zimmer und sangen abends sehr lange, bis der Papa kam - geschickt von der Mutter - und sagte: "Blagen, got achter dän Dieck sengen!"

1937 hatte ich dann endlich eine Lehrstelle, nicht das, was ich mir gedacht hatte, aber ich freute mich doch. Ich lernte nun in der Kruppschen Konsumanstalt - Textilverkäuferin - , hatte einen netten Chef und viele Kolleginnen. Im ersten Jahr verdiente ich 10 Mark, im zweiten 15 und im dritten 25 Mark im Monat.

1940 hatte ich die Lehre zu Ende und machte die Kaufmannsgehilfenprüfung bei der Industrie- und Handelskammer in Duisburg. Da war der Krieg im Gange und der Polenfeldzug schon beendet. Für mich fing ein ganz anderes Leben an.

Meine Lebens- und Berufsstationen ab 1940


1940 Ende der Lehrzeit und Kaufmannsgehilfenprüfung bei der Industrie- und Handelskammer Duisburg.

1941 kriegsbedingte Anstellung bei der Deutschen Reichsbahn, Güterabfertigung und Fahrkartenausgabe Rheinhausen

1942 Versetzung zur Ostbahndirektion Lemberg

1944

April kriegsbedingter Rückzug aller weiblichen Angestellten der Direktion mit dem Zug über Krakau. Als Einzige mit Versetzungspapieren zur Verkehrsdirektion Riga. Weiterfahrt in entgegengesetzter Richtung zum Dienstantritt dorthin.

Juli Abenteuerliche Flucht aller weiblichen Angestellten der Direktion mit LKW's westwärts über Mitau, dann nördlich Tuckum, Liebau. Von dort mit Kriegsschiffen ("Ostfriesland" und "Togo") nach Gotenhafen, nach Danzig zu Fuß. Von dort mit dem Zug über Stettin, Berlin zur Heimatdienststelle.

November Nach genehmigtem, als Fortbildung getarntem Erholungsurlaub im Westerwald und Neueinkleidung bei der Reichsbahnkleiderkammer erneuter Einsatz und dortige Verwendung zur RBD Dresden und weiter nach Ziretin
Auftrag: Morselehrgang mit Prüfung und weitere Fahrdienstleiterausbildung.

7. Mai1945 Morseprüfung bestanden

8. Mai
1945 Einmarsch der russischen Armee und Kriegsende

Meine Lebens- und Berufsstationen ab 1945

8. Mai
1945       Kriegsende
ca. Mitte
Mai 1945 Wegzug aus Ziretin und Ankunft in Dresden, der völlig zerstörten Stadt, Endstation und kein Weiterkommen! Zuerst Gelegenheitsarbeiten bei der russ. Kommandantur am Neustädter Bahnhof, zugesichert tägliche Ration Brot und Käse in Büchsen. - Du nicht brauchen - Mehr über meine zweijährigen Erlebn

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Erlebnisse im 2. Weltkrieg und die Zeit danach bis 1947
Das Leben ab 1945

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