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Biografie

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Familie
Author:  Baum
Biografie vom:  22.02.2002
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Der Autor ist ein Teilnehmer des Biografie-Projekts "Das ist mein Leben" der GGT.
Abschied im November

Heute ist der Tag der Abreise. "Wer weiß, ob wir uns wiedersehen am grünen Strand der Spree", leiert es in meinem Kopf seit einigen Tagen.

Wie hab ich das gefühlt, was Abschied heißt.

Wie weiß ich’s noch: ein dunkles unverwundnes

Grausames Etwas, das ein Schönverbundes

noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen...

....

Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,

ein leise Weiterwinkendes – schon kaum
erklärbar mehr...“


schreibt Rainer Maria Rilke.

Der Schmerz engt mich ein, dass ich kaum atmen kann. Das Taxi hält an dem kleinen Hotel. Es geht ganz schnell. Der Wirt trägt meinen Koffer hoch, mein Enkel trägt mein Sauerstoffgerät. Wir umarmen uns. Dann sind sie weg, einfach weg. Ich gehe noch einige Schritte durch den Wald, und alles dreht sich um mich.
“Wer weiß, ob wir uns wiedersehen-......“

Sehr oft ging ich auf dem Bonner Venusberg diese Wege, im Frühling, im Sommer, im Herbst und im Winter. Jetzt ist wieder November und das goldbraune Laub hängt noch zum großen Teil an den Bäumen und Sträuchern. Die Wege sind feucht. Ich spüre nichts von der Mystik des Spätherbstes, die Landschaft erfreut mich nicht. In mir ist nur Schmerz und Verlassenheit. Ich kann kaum laufen, stütze mich an einen Baum. Eine junge Frau fragt mich nach meinem Befinden. "Es ist nichts", sage ich, "ich meditiere nur." Jetzt klart der Himmel auf und die Sonne funkelt durch das nasse Goldlaub und malt lichte Kreise auf die Waldwege.

Wir kamen mit dem Taxi hoch, meine Familie aus Berlin, der Sohn, die Schwiegertochter und der selten gesehenen Enkel Jeronimo. Hier, im "Waldhäuschen", wollte ich einige Tage wohnen, um dem Baulärm in meiner neuen Wohnung zu entfliehen.
Am Tag zuvor spazierten wir rheinabwärts bis zum Graurheindorfer Hafen. Ich wollte meinem Sohn zeigen, wo die Bank ist, auf der er sein Konto hat, ein gewaltiger Neubau der Deutschen Bank.

Ich sagte meinem Enkel: "Früher schwamm ich über den Rhein bis ans andere Ufer". "Wie kamst du zwischen den vielen Schiffen durch?" fragte Jeronimo. "Damals war der Rhein noch nicht so sehr befahren, und die Strömung war noch nicht so stark", entgegnete ich. "Aber es war wunderbar. Wer hat schon eine Großmutter, die einst über den Rhein schwamm?" Jeronimo staunte und drückte sich an mich.

Er hat mich selten gesehen. Als ich ihn vor Jahren in Berlin besuchte, war er ein halbes Jahr alt. Er trommelte mir mit seinen winzigen Händchen auf den Kopf und quietschte vor Vergnügen. Wir verstanden uns auf Anhieb. Weil er in Berlin geboren war, nannten wir ihn den "Berliner Bären." Als er heranwuchs, wollte er nicht mehr der Bär sein und wir nannten ihn nur noch mit seinem schönen Namen, der von Hieronymus kommt und was bedeutet: "der heilige Name". Ein berühmter Indianer hiess ebenfalls Jeronimo.

Dann fuhren wir mit der Maxblue-Linie zurück zu meiner Wohnung. Am anderen Tag schlug die Stunde des Abschieds. Für immer? Meine Kinder reisten nach Berlin.

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