Biografie
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| Der Autor ist ein Teilnehmer des Biografie-Projekts "Das ist mein Leben" der GGT. | |||||||||
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Erinnerung an den ersten Weltkrieg Wie war das im ersten Weltkrieg, als die Söhne, Männer und Väter eingezogen wurden und ihre oft jungen Familien zurücklassen mußten? Wie kamen die Mütter und Kinder ohne sie über die Runden? - Ich, die 89-jährige Margarte Engelhardt, erinnere mich noch sehr gut an die Jahre ...Mein Vater wurde 1915 als Soldat eingezogen und mußte seinen Beruf als Lehrer aufgeben. Wir hatten zu der Zeit eine Wohnung in Leipzig, und zwar in der Merseburger Straße. Meine Mutter überlegte nicht lange und schrieb einen Brief an ihre Eltern in Stößen bei Naumburg in Thüringen: "Kann ich mit meinem Kind zu euch kommen?" Ein Brief kam zurück: "Liebe Tochter, du kannst sofort mit deinem Kind kommen". Meine Mutter gab die Wohnung aber nicht auf, sie bezahlte die Miete weiter. Da meine Großeltern eine Landwirtschaft hatten, gab es dort genug zu essen. Bei Großmutter und Großvater und den fünf Tanten und dem lieben Onkel Paul war es sehr schön. Die eine Tante und Onkel lebten genau wie meine Großeltern von Ackerbau und Tierzucht. Besonders gefallen mir die Tiere: Schafe, Kühe, Ziegen, Gänse, Enten usw. Den großen Garten, die Wiesen und Felder mochte ich auch sehr, obwohl sie zur Erntezeit viel Arbeit machten. All das faszinierte mich als Kind unheimlich. Muttis Bruder Paul und sein Freund, der ebenfalls Paul hieß, wurden mit 24 Jahren eingezogen. Sie waren kaum sechs Monate an der Front in Frankreich, als beide fielen. Als meine Großmutter die Nachricht vom Tod ihre Sohnes bekam, wurde sie schwer krank, weil sie es nicht verkraften konnte, daß ihr einziger Sohn den "Heldentod" starb. 1916 wurde ich in der Schule bei Lehrer Mai angemeldet, ich ging gerne zur Schule. Es war eine Jungen- und Mädchenklasse, insgesamt 48 Schüler. Wenn die Jungen dem Lehrer freche Antworten gaben, bekamen sie als Strafe mit der Gerte Schläge auf den Po - oder eine volle Stunde "in der Ecke stehen". Eine Zuckertüte von meiner lieben Mutter und den Großeltern bekam ich gleich an der Schule. Auch von meinen Patentanten bekam ich sehr schöne Geschenke. Eine kleine Feier war auch noch zu Hause bei den lieben Großeltern. Da ging es lustig zu. In den Kriegsjahren bei meinen Großeltern und den fünf Tanten bekam ich zu meinem Geburtstag am 16.22.1915 und die darauf folgenden Jahre schöne Geschenke.Von Mutti immer viele Märchenbücher. Sie sagte immer: "Margarete, das Lesen fördert dich weiter." Von den Tanten Spielsachen. Zum Advent / Weihnachten waren immer die schönsten Fest. Von den Großeltern und Mutti ein schönes Kleid für die Schulzeit. Wenn ich von meinen Patentanten Geld geschenkt bekam, wurde ich schon als Kind zum Sparen erzogen, das Geld in meine Sparbüchse. Einmal fuhren wir, meine Mutter und ich, mit dem Zug nach Naumburg zum Fotografen, um ein schönes Bild machen zu lassen. Meine Mutter ging aber mit mir zuerst zum Friseur, um sich die Haare schön legen zu lassen. Auch ich bekam Schlangenlocken gelegt und eine weiße Schleife ins Haar. Das war damals große Mode für uns Kinder. Oh, ich kann mich noch gut daran erinnern: Meine Mutter zog ihr schönstes Kleid an, um auf dem Bild gut auszusehen. Denn sie liebte ihren Mann sehr. Beim Fotografen bekam ich Angst, als er hinter dem schwarzen Tuch verschwand. Er hatte aber meine Mutter auf einen Stuhl nett hingesetzt und mich daneben gestellt. "Keine Angst, Margarete", sagte der Fotograf zu mir, "jetzt sind wir schon fertig mit dem Bild". Meine Mutter holte nach einer Woche die Bilder ab. Sie waren gut gelungen. Meine Freude war so groß, daß meine Mutti mir das ansah. Stolz sagte ich zu ihr:"Da wird sich aber Vati freuen, wenn er uns beide auf den Bildern sieht!" Wir schickten die Fotos zu meinem Geburtstag an die Front nach Frankreich. Daraufhin kam ein langer Brief an Mutti zurück. Er war von Vati, der sich herzlichst bedankt. Kurz vor Kriegsende kam mein Onkel Hermann krank von der Front für einen Tag zu Besuch zu uns. Am nächsten Tag sollte er sich im Lazarett melden. Er hat bestimmt die Ruhr gehabt. Ich saß auf seinem Schoß, aber nicht lange. Er gab mir einen Kuß auf die Wange, am nächsten Tag bekam ich Fieber, Durchfall - ich hatte mich bei ihm angesteckt. Meine Großmutter holte umgehend den Doktor. Der kam sofort und stellte tatsächlich die Blutruhr fesrt. Der aufopfernden Pflege meiner Großmutter und meiner Mutter verdanke ich, daß ich am Leben blieb. Beide beteten an meinem Krankenbett. Mutti sagte immer: "Meine kleine Margarete, du mußt wieder gesund werden". Tagsüber mußte meine Mutter mit ihrem Vater fünf Stunden Gemüse und Obst aus ihrer Landwirtschaft im Laden verkaufen. In der Zeit pflegte mich meine Großmutter. Nach vier Wochen konnte ich wieder aufstehen. Großmutter führte mich im Hause hreum. Sie sagte: "Du warst schwer krank, mein Kind." Wir schreiben das Jahr 1918, es heißt, der Krieg geht zu Ende. Mein Vater kehrte verwundet von der Front zurück, lag auch im Lazarett, war Offizier. Ein Schild "Herzlich willkommen in der Heimat" war bei uns am Haus angebracht. Die Freude war groß, als der liebe Mann und gute Vater heimkehrte. Es wurde sehr viel erzählt, gutes Essen aufgetischt und lecker gespeist. Großmutter hatte viele Kuchen gebacken. Mein Vater hatte vor dem Krieg von 1907-1910 Pädagogik in Greifswald studiert und war Lehrer. Nun nahm er eine Anstellung als Lehrer am Gymnasium in Leipzig an. |
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Mehr DetailsStand: 09.02.12
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