Biografie
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| Der Autor ist ein Teilnehmer des Biografie-Projekts "Das ist mein Leben" der GGT. | |||||||||
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Geburt im Krieg Ich erinnere mich noch gut an die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Besonders hartnäckig haben sich zwei Geburten in meinen Gedanken festgehakt, die mich auch heute noch oft begleiten, wenn ich nach einem turbulenten Tag zur Ruhe komme. Auch eine Art „Wiedergeburt“ aus dieser Zeit beschäftigt mich oft, denn einem Menschen wurde das Leben aus reinem Zufall neu geschenkt. Wir schrieben das Jahr 1943. Eine junge Angestellte unserer Firma, Maria, war seit Jahren verheiratet, und das Paar wünschte sich sehnlichst Nachwuchs. Die Frage erübrigte sich für sie, warum sie in einer so schweren Zeit mit Bombenangriffen und Fliegeralarm, Hunger und Tod beabsichtigten, ein Kind in die Welt zu setzen. Wenn Menschen lieben, wollen sie den Beweis ihrer Liebe konkretisieren. Kann man eine tiefe Liebe denn mit etwas Besserem krönen als mit einem Kind? Nach langem Warten erfüllte sich plötzlich in „doppelter Hinsicht“ der Herzenswunsch des jungen Paares, denn Maria wurde mit Zwillingen schwanger. Da ihr Mann nach Russland an die Front geschickt wurde, kümmerten wir uns um die junge Frau, die jeden Tag fleißig zur Arbeit kam und tapfer ihren Weg ging. Trotz Entbehrungen brachte Maria zwei gesunde Mädchen zur Welt. Aufgrund der Geburt seiner Kinder erhielt der frisch gebackene Vater Heimaturlaub. Hoch erfreut, seine kleine Familie besuchen zu dürfen, machte er sich zuversichtlich auf den Weg nach Köln.Genau am Abend seines Aufbruchs fand jedoch auf Köln-Mülheim, wo Maria und ihre Kinder lebten, ein schlimmer Großangriff statt. Diesem Inferno fielen alle Drei zum Opfer. Marias Mann hatte seine Familie nicht mehr lebend angetroffen. Bei der Beerdigung wurde er beinahe wahnsinnig. Hier lag nun sein lang ersehntes Glück. Besinnungslos vor seelischen Qualen wollte er ins offene Grab springen. Nur mit großer Mühe hielten wir ihn zurück. Und auch uns war es so schwer ums Herz. Ein Jahr vor diesem traurigen Ereignis stand ich selber vor der Geburt meines zweiten Kindes. Am Abend vorher hatte ich mit meinem Mann noch einen Spaziergang gemacht. Da sah ich in unserer Nähe, Köln-Niehl, einen Zeichner, was mich eigenartig berührte. An der Stelle wurden nämlich U-Bootteile gemacht. Am anderen Tage abends war der Luftraum über uns mit sog. "Leuchtschirmchen" bestückt. Das bedeutete, dass dieses Gebiet besonders bombadiert werden sollte. Nachdem wir am anderen Tage den großen Angriff erlebten und Wohnaus und Fabrik zerstört wurden, hatten unsere Bekannten im Radio gehört: Das die U-Boot- und eine Nahrungsmittelfabrik (das waren wir!) zerstört seien! Die Wehen hatten bereits eingesetzt, und ich rief die Hebamme an, mit der ich befreundet war. Es sollte nämlich eine Hausgeburt werden, da ja auch die Krankenhäuser trotz ihrer roten Markierungskreuze zerbombt wurden, und man sich dort nicht sicher fühlen konnte. Trotz des Fliegeralarms kam die Gute zu mir ins Haus. Aber sie war ganz anders, als ich es sonst von ihr gewohnt war. Die resolute Frau war völlig niedergeschlagen und erzählte stockend, was ihr kurze Zeit zuvor passiert war. Eine junge Patientin hatte unter größten Schmerzen ihr erstes Kind geboren, doch nur ein kurzer Augenblick war der Mutter vergönnt, ihre kleine Tochter zu sehen. Die Hebamme nahm der jungen Frau das Kind aus im Arm, um es zu baden. Da kreiste ein Stuka über dem Haus. Plötzlich zischte eine Bombe herunter und zerriss das Haus in zwei Teile. Die Wöchnerin stürzte tot in die Tiefe, während die Hebamme mit dem Kind im Arm dem grausigen Geschehen entsetzt zusah. Noch unter dem Schock stehend fragte sie sich verzweifelt nach dem Sinn ihres Berufes und warum Gott denn etwas so Furchtbares nicht verhindert habe. Der Vater des Neugeborenen war in Russland vermisst und deshalb entschloss sie sich, das kleine Mädchen vorerst zu behalten, zumal sie selbst keine eigene Familie besaß. Aus dem „Vorerst“ wurde ein ganzes Leben. Das Kind wuchs bei ihr auf, genoss eine gute Ausbildung und wurde schließlich ihre „Kollegin“, die mit sehr viel Einfühlsamkeit ihren Beruf als Hebamme ausführte. Meine Freundin erkannte den Sinn des damaligen schrecklichen Augenblicks, der sie genau an die Stelle geführt hatte, an der ein neuer Erdenbürger sie dringend brauchte. Bei dem dritten Ereignis, an das ich mich sehr gut und noch immer mit einem Druck im Magen erinnere, geht es auch um den Tod, aber ebenso um eine Rettung per Zufall, wie eingangs angekündigt wurde: Während der Krieg tobte, feierte in Königsforst ein Studienfreund meines Mannes einen runden Geburtstag. Alle Freunde und Verwandte, die nicht in Russland gefallen und auch von den Luftangriffen verschont geblieben waren, fanden sich freudig beim Jubilar ein. Gastgeber und Gäste hatten einige Lebensmittel zusammengetragen und ein paar Flaschen Wein aufgetrieben. Es war eine heitere Runde; wir tauschten Erlebnisse und Erinnerungen aus, und trotz des Krieges wurde die Geburtstagsfeier ein ausgelassenes Fest, denn wir wussten ja alle nicht, wie lange wir noch leben. Zur späteren Stunde stieß auch die Tochter der Gastgeber dazu, die in der Nähe dienstverpflichtet war. Sie erzählte uns, dass sie sich heute noch den Keller der Nachbarn ansehen wollte, denn sie hätten sich einen verstärkten Bombenschutz eingebaut. Der schöne Tag ging viel zu schnell zu Ende, und wir verabschiedeten uns lachend und scherzend. Lang durften die Feiern in der Kriegszeit nicht andauern, denn wir mussten zeitig nach Hause gelangen, weil ja stets mit Alarm zu rechnen war. Kaum zu Hause angekommen, ging auch schon der Bombenhagel los. Unzählige Häuser in Köln wurden zerstört mit vielen Menschen darin. Auch unsere Gastgeber in Königsforst kamen ums Leben. Nur ihre Tochter wurde gerettet, denn sie hatte sich gerade im Nachbarkeller aufgehalten.Wer einen solchen Krieg einmal erlebt hat, verwünscht alle machtgierigen Herrscher dieser Welt, die so viel unsagbares Leid über ihre Völker bringen. |
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Mehr DetailsStand: 09.02.12
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Ich erinnere mich noch gut an die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Besonders hartnäckig haben sich zwei Geburten in meinen Gedanken festgehakt, die mich auch heute noch oft begleiten, wenn ich nach einem turbulenten Tag zur Ruhe komme. Auch eine Art „Wiedergeburt“ aus dieser Zeit beschäftigt mich oft, denn einem Menschen wurde das Leben aus reinem Zufall neu geschenkt.
Wir schrieben das Jahr 1943. Eine junge Angestellte unserer Firma, Maria, war seit Jahren verheiratet, und das Paar wünschte sich sehnlichst Nachwuchs. Die Frage erübrigte sich für sie, warum sie in einer so schweren Zeit mit Bombenangriffen und Fliegeralarm, Hunger und Tod beabsichtigten, ein Kind in die Welt zu setzen. Wenn Menschen lieben, wollen sie den Beweis ihrer Liebe konkretisieren. Kann man eine tiefe Liebe denn mit etwas Besserem krönen als mit einem Kind? Nach langem Warten erfüllte sich plötzlich in „doppelter Hinsicht“ der Herzenswunsch des jungen Paares, denn Maria wurde mit Zwillingen schwanger. Da ihr Mann nach Russland an die Front geschickt wurde, kümmerten wir uns um die junge Frau, die jeden Tag fleißig zur Arbeit kam und tapfer ihren Weg ging. Trotz Entbehrungen brachte Maria zwei gesunde Mädchen zur Welt. Aufgrund der Geburt seiner Kinder erhielt der frisch gebackene Vater Heimaturlaub. Hoch erfreut, seine kleine Familie besuchen zu dürfen, machte er sich zuversichtlich auf den Weg nach Köln.
Bei dem dritten Ereignis, an das ich mich sehr gut und noch immer mit einem Druck im Magen erinnere, geht es auch um den Tod, aber ebenso um eine Rettung per Zufall, wie eingangs angekündigt wurde: Während der Krieg tobte, feierte in Königsforst ein Studienfreund meines Mannes einen runden Geburtstag. Alle Freunde und Verwandte, die nicht in Russland gefallen und auch von den Luftangriffen verschont geblieben waren, fanden sich freudig beim Jubilar ein. Gastgeber und Gäste hatten einige Lebensmittel zusammengetragen und ein paar Flaschen Wein aufgetrieben. Es war eine heitere Runde; wir tauschten Erlebnisse und Erinnerungen aus, und trotz des Krieges wurde die Geburtstagsfeier ein ausgelassenes Fest, denn wir wussten ja alle nicht, wie lange wir noch leben. Zur späteren Stunde stieß auch die Tochter der Gastgeber dazu, die in der Nähe dienstverpflichtet war. Sie erzählte uns, dass sie sich heute noch den Keller der Nachbarn ansehen wollte, denn sie hätten sich einen verstärkten Bombenschutz eingebaut.
Der schöne Tag ging viel zu schnell zu Ende, und wir verabschiedeten uns lachend und scherzend. Lang durften die Feiern in der Kriegszeit nicht andauern, denn wir mussten zeitig nach Hause gelangen, weil ja stets mit Alarm zu rechnen war. Kaum zu Hause angekommen, ging auch schon der Bombenhagel los. Unzählige Häuser in Köln wurden zerstört mit vielen Menschen darin. Auch unsere Gastgeber in Königsforst kamen ums Leben. Nur ihre Tochter wurde gerettet, denn sie hatte sich gerade im Nachbarkeller aufgehalten.

