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Biografie

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Kriegserlebnisse
Author:  Rasovic
Biografie vom:  29.12.2001
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Der Autor ist ein Teilnehmer des Biografie-Projekts "Das ist mein Leben" der GGT.
Ohne Aber ohne Wenn...

Mein Vaterland, fragst Du? Kaum auf einem Erdglobus zu finden;

mit kleinster Nation auf dem Balkan, gequetscht zwischen Bergen.

Vor Armut, Krieg, Hunger, Blutrache und Terror im letzten Jahrhundert,

dreimal so viel sind auf fünf Kontinenten geflohen,

nur überleben zu können.


Und trotzdem hörst Du in Toronto, Texas, Sydney oder Kapstadt

unser Volksinstrument, die G u s l e,

wie sich durch traurige Akkorde nach verlorener Heimat sehnen.


Wir sind klein aber

oho! Kontrastreich: Ein Spielkasino mit heiligen Namen,

nur wir haben;

und im fünfzehnten Jahrhundert

die erste Gutenberg Druckmaschine bei Südslawen;

der erste Massenaufstand gegen Faschismus in Europa

machte mein Volk berühmt in den 40er Jahren;

aber die große Zahl Räuber und Kriegsverbrecher pro Kopf

und Quadratmeter am Ende des Jahrhunderts haben wir auch,

getarnt als nostalgische Jugoslawen.


Doch eine Schande für meinen Landsmann ist nicht etwa

in Den Haag zu landen,

oder auf der Straße als Polit-Gangster im Kugelhagel zu fallen.

Nein – richtige Schande für uns ist ein Analphabet zu sein;

deshalb gibt es seit hundert Jahren so wie keinen.


Unsere Vorfahren kämpften oft aus pure Frechheit gegen stärkeren;

und mit Vorliebe gegen Osmanen;

aber waren einzige und alleine mit souveränem Staat

und eigener autokephalenen Kirche unter Balkanern.

Hatten dazu die besten Maler und Dichter unter Slawen.


Unser Lovcen ist hoch aber ein bisschen

niedriger als der Himalaja;

macht aber nichts, wir sind die größten Männer Europas,

fast so groß die Massaia.


Die beliebtesten Bräutigame und Kindermacher waren wir auch,

brachten damit das Unheil im Doppelpack über gemeinsames Ex-Land:

aus dem Kuckucks - Küken ein Orthodoxie - Söldling entstand,

bei uns im Volksmund die Verkaufte Seele genannt,

bis heute die schlimmsten Balkan - Schlächter, Räuber und Geier;

immer mit Gewehr bei Fuß im Nachbarland.


tausend Jahre, unsere Vorfahren das Vaterland verteidigten,

mit Blut, Tränen und Opfer zahlten sie Freiheit und Ruhm.

Dann meldeten sich die Söldlinge und Kuckucks – Küken mit Okkupanten,

spuckten auf eigenen Stamm, klauten und schändeten alles,

bis auf unser Heiligtum.


Verdammt von Gott, entbunden von Ehre.

verkauften sie zweimal ihre Heimat an Byzant,

ein beispielloser Verrat und Terror achtzig Jahre lang,

unser Leid wurde grenzenlos, unser Staat unter “vrcan“ verschwand.


Mit Sklaven – Nachkommen und gallischen Okkupanten zusammen,

verboten unsere Kirche, brachten mit schwarze Popen, ohne Reue,

nahmen uns die Ehre weg, beraubten unsere Geschichte;

schworen dem Gott mit Bibel in der Hand und Pistole unter der Robe,

ihren Dienst und ihre byzantinische Treue.


Aus unseren schönen berühmten Stränden

einst die begehrtesten auf der Adria – Küste,

machten sie die Gettos und Kloaken;

aus Olivenplantagen Militärpolygone,

und aus heiligen Stätten die Pferdeställe und Biwake.


“Niemand hasse so wie Verräter sein Vaterland samt seinen Ikonen“,

sagte unser Sprichwort von damals, gilt auch heute von vorne.


Einmal sogar wollten uns an Stalin verkaufen,

ignorierten Obermuftis Warnung, seinen klugen Vorschlag.

(Unsere Geschichte sollte unter “Towarischchi“ laufen.)

Dann schlug der Alte mit der Faust, weil sie alles ablehnen,

gab aber ihnen die gewünschte “Siebzehnte Sowjetische Republik“,

die, die wir nur unter Namen GOLI OTOK kennen.

Für uns alle die Erleichterung, für sie die Gulag Albträume und Tränen.


Wach auf Vaterland, Tito hat Dich aus der Lethargie einmal erhoben,

Dir die Ehre und die Freiheit zurückgegeben.

Ruf Deine vertriebene Söhne aus Abendland zurück,

die tausendjährigen mediteranischem Geist und der Freiheit streben.

Dein Volk ist mit Abitur geboren, pro Kopf hat mehr Intellektuellen

als die Großen, die sich gegen Millionen – Analphabeten noch heute

im eigenen Land vergeblich stellen.


Nur Glück kriegst Du von Großen keinen Brocken –

stattdessen musst Du die fremde Zeche zahlen, nichts versäumen:

vor achtzig Jahren unter “vrcan – opanak“ geworfen,

um für die Rechnung des Gallischen Hahn aufzukommen.


Heute kräht wieder “Gallischer Kikeriki“ gegen Deine Freiheit;

der neue Gangsterdeal in Brüssel ist groß im Kommen:

weil dem Nordirland laufen nach die Korsika und Baskenland;

darum musst Du büßen, nicht wegen Kosowo oder Scheiß – Dominoeffekt,

sonst wegen Bomben in Ajaccio, Belfast und Barcelona,

mein liebes Vaterland.


räumst Du um Herceg Novi, Budva, Boka, Sveti Stefan,

unsere Strände, das ganze Land, von fremder Soldateska auf.

Wir brauchen Touristen, und nicht die verdammte Sorte, keinen Mann.

Schickst Du die Rote und Schwarze Pest zurück, auf Nie – Wiedersehen,

zusammen mit ihren Gangstern

in ihr Kuckucksland.


Du darfst Dich nicht vor dem Satan beugen:

Vukoar, Sarajevo, Foca, Srebrenica und Kosowo sind ihr blutiges Werk.

Für Herren in Brüssel eine Schande obwohl sie die Schande leugnen,

für Rest der Welt,

die hunderttausende von toten Zeugen;


oder bist Du nicht mehr meine kämpferische Heimat,

die Jahrhunderte lang eigene Geschichte schrieb,

geprägt von mediteranischer Malerei, Skulptur und Freiheit?

Und wenn nötig war einen den großen “Kikeriki Marschall“

über die Nase schlug, von unserer Küste vertrieb,

zurück in seinen gallischen “Kikerikistall“.

Für uns war ein Held General De Gaulle nicht m’sje Petain und Laval.


Liest Du jetzt, neugieriger Freund, die schwarzen Buchstaben ....

Ja, das ist mein Vaterland:

traurig, verwüstet, in achtzig Jahren völlig entehrt...

Doch unsere Geschichte lief im kriegerischen Tempo,

wie im Musikstück eines schnellen Allegro.

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