Wieder sehr starke Briten am Start
Am Sonntag öffnen sich in Köln zum 26. Mal die Startboxen zum Mehl-Mülhens-Rennen. Die Zahl 26 bedeutet im Vergleich zu vielen anderen Prüfungen in Galopprennsport noch gar nichts, also noch keine allzu lange „Laufzeit", mag man vielleicht denken. Es ist allerdings auch nur die „halbe Wahrheit". Denn das erste diesjährige klassische Rennen im deutschen Turf basiert auf einer bedeutend längeren Traditionslinie.Erst seit der Saison 1986 erinnert es in der Tat aber an Maria Mehl-Mülhens,die unvergessene Gestütsherrin auf Röttgen. Über Jahrzehnte prägte sie mit ihrer Zucht auf dem großen Areal mitten im Kölner Königsforst den deutschen Galopprennsport und dessen Vollblutzucht entscheidend mit, so wie es nur wenige vor ihr oder auch nach ihr taten. Seit ihrem Tod im Jahr 1985 wird das Erbe, welches sie einst von ihrem Vater, dem Gestütsgründer und bekannten Kölner Duftwasserfabrikanten Peter Mülhens übernommen hatte, von der Mehl-Mülhens-Stiftung weitergeführt
1871 fand das erste von den Grafen Henckel von Donnersmarck gestiftete Henckel-Rennen statt. Das Rennen wurde 1871–1917 und 1923–1944 in Hoppegarten ausgetragen, dazwischen in Berlin-Grunewald. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand es jeweils einmal in Düsseldorf (1947), Köln (1948) und Dortmund (1949) statt. Von 1950 bis 1985 wurde das Rennen vom Gelsenkirchener Rennverein in Gelsenkirchen ausgetragen, doch dieser kam als Veranstalter des sponsorlosen Rennens in wirtschaftliche Schwierigkeiten, was der Mehl-Mülhens-Stiftung unter Präsident Dr. Günter Paul quasi die „Jahrhundert-Chance" eröffnete, die Henckel-Prüfung(auch als Deutsche 2000 Guineas bekannt) als Memorial für Maria Mehl-Mülhens zu übernehmen. Seitdem gehört das Mehl-Mülhens-Rennen nun zu den Saisonhöhepunkten im Weidenpescher Park. Und gleich sein erster Sieger war ein Pferd, mit dem bis heute eine märchengleiche Geschichte verbunden blieb.Es hieß Philipo. In Baden-Baden war der junge Hengst für gerademal 8.000 Mark auf der Jährlings-Auktion verkauft worden. Ein Spottpreis für einen späteren Derby-Sieger, denn nur ein paar Wochen nach seinem Erfolg im Mehl-Mülhens-Rennen gewann Philipo für seine Besitzer, die zuvor noch nie ein Rennpferd ihr Eigen genannt hatten, außerdem noch das Deutsche Derby in Hamburg-Horn.Das Mehl-Mülhens-Rennen, dem später der Zusatz „German 2000 Guineas" angefügt wurde, war in der Henckel-Tradition insofern auch ein neues Kapitel, als von Beginn an verstärkt ausländische Starter nach Köln kamen. Der Engländer Flying Brave hatte 1991 als erster Sieger die britischen Beutezüge eingeleitet. Im Jahr darauf gewann mit Pacino erneut ein Pferd aus Großbritannien, und Dupont (2002), Brunel (2004) sowie Royal Power (2006) entführten den Siegpreis ebenfalls über den Kanal. Einem Trend, dem sich vor 12 Monaten obendrein Frozen Power verpflichtet zu fühlen schien. Auch nach dessen Erfolg wurde bei der Siegerehrung einmal mehr „God save the Queen" intoniert. Man könnte sagen, eine dem Kölner Publikum nach dem Mehl-Mülhens-Rennen mittlerweile sehr vertraute Hymne. So gesehen wundert es natürlich wenig, dass abermals drei Hengste aus England avisiert sind. Sie heißen Casual Glimpse, Excelebration und The Paddyman. Vor allem Excelebration ist ein heißes Eisen im Feuer, war er doch jüngst erst Zweiter hinter Frankel, einem nach bislang in sechs Starts noch unbesiegten Ausnahmepferd, das zurzeit der ganze Stolz des britischen Turfs ist und das sich nach dem Sieg über Excelebration anschickte, seinen Ruhm als Gewinner der besagten „2000 Guineas" in Newmarket noch zu mehren.Im mit 153.000 Euro dotierten Gruppe-ll-Klassiker über 1.600 Meter gibt es aber auch realistische deutsche Hoffnungsträger. Dies sind der momentane Jahrgangsbeste Acadius und nicht zuletzt Gereon, ein ebenfalls noch ungeschlagener Hengst, der übrigens aus Berlin-Hoppegarten anreist, wo einst die Uraufführung des Henckel-Rennens stattfand.Weitere Starter aus deutschen Ställen sind am 22. Mai darüber hinaus: Nice Danon, Point Blank, Quinindo, Rose Danon, Stark Danon und Zantano.Zum Tag des großen Klassikers hat sich im Übrigen hoher Besuch angesagt. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters wird dem Weidenpescher Park erstmals in diesem Jahr einen Besuch abstatten. Des Weiteren gibt es ein Rennen unter der Schirmherrschaft des 1. FC Köln, dessen Mitglieder an diesem Renntag "in der fußballlosen Zeit" zum halben Preis Eintritt gewährt wird. Zur Siegerehrung werden natürlich Offizielle des Geißbocks-Clubs den Gewinnern ihre Gratulationen aussprechen. Ein weiterer sportlicher Höhepunkt dieses Rennentages ist das Karin Baronin von Ullmann-SchwarzGold-Rennen, ein Gruppe III. Stutenrennen für dreijährige Studien über 1600 m
Kölner Renn-Verein 1897 e.V., Rennbahnstr. 152, Postfach 620109, 50737 Köln, Tel: 0221-97450 50, Fax: 0221-974 50 55, www. koeln-galopp. de













