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Mitreisende ins Herz der Städte gesucht

Von Ruhr.2010

 Asli SevindimDie Metropole Ruhr zeigt wie keine andere Region, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Hier wohnen heute Menschen aus mehr als 170 Nationen, rund 2.000 Religionsgemeinschaften leben Tür an Tür – miteinander und nebeneinander. Wie eng oder lose auch immer ihr Verhältnis zueinander ist: Sie alle zusammen machen diese Region, die Städte, die Stadtgesellschaften und ihre Themen aus. Sie treffen, reiben und mischen sich – prallen manchmal aufeinander und ein anderes Mal verschmelzen sie.

In jedem Fall aber lässt sich das Ruhrgebiet nicht denken ohne seine Wurzeln, die deutsch und polnisch sind und die eben auch mal bis nach Italien, Griechenland oder in die Türkei reichen. Doch nicht nur aufgrund seiner Bevölkerungs- und Einwanderungsstruktur ist der Mikrokosmos Ruhr so etwas wie ein komprimiertes Modell Europas. Auch die großen Themen urbaner Ballungsräume sind hier verdichtet zu finden. Klima, Verkehr, demografischer Wandel: Zentrale Fragestellungen für die Zukunft sind hier früher aktuell und schneller akut als anderswo. So lässt sich der demografische Wandel, der sich in ganz Deutschland und auch europaweit vollzieht, hier besonders deutlich veranschaulichen. (...)  Für das Jahr 2010 wird MELEZ deutlich über den bisherigen Hauptveranstaltungsort Jahrhunderthalle hinaus ausgeweitet und ins gesamte Ruhrgebiet hinein vernetzt. In Kooperation mit der Deutschen Bahn verlegt MELEZ das Festival 2010 auf die Schiene: Einen ganzen Monat lang wird ein umgebauter S-Bahn-Zug die Metropole Ruhr von Ost nach West und von Nord nach Süd durchreisen. Nicht nur auf der die Ruhrgebietsstädte verbindenden Hauptroute, sondern auch auf der Strecke der alten Industriekultur: vorbei am Gasometer in Oberhausen, am Zechengelände von Zollverein und entlang des Rhein-Herne-Kanals. An Bord sind Künstler aus ganz Europa und darüber hinaus, die auf Künstler der Region treffen: Musiker, Tänzer, Filmemacher, Philosophen, Literaten, Denker, HipHopper, Computerfreaks und Performer aus der Türkei, den Niederlanden und der Schweiz, aus Polen, Italien, Spanien, Österreich, Ungarn, Russland und Griechenland, aus Suriname, der Ukraine, Großbritannien, Portugal, aus Rumänien, Frankreich, aus Kanada, Markokko, Indien und Kolumbien begegnen Künstlern und Partnern aus Duisburg, Oberhausen, Bochum, Dortmund, Essen und Herne. (...)

Die Reise des MELEZ-Zuges beginnt am 3. Oktober mit einem Bahnhofsfest in Duisburg, symbolträchtig am Tag der Deutschen Einheit, der so auch zum "Tag der Deutschen Vielheit" wird. Sie führt einen Monat lang von Bahnhof zu Bahnhof. Dabei kann der Zug an jedem Bahnhof über längere Zeit stehen: mal nur ein paar Minuten, um reisende Zuschauer aufzunehmen, mal einen ganzen Tag, weil der Bahnhof nicht nur zum Transitraum wird, den der Stadtbesucher möglichst schnell verlässt, sondern weil er selbst Spielort ist – ein Bahnsteig, auf dem eine Tanzperformance stattfindet, eine Bahnhofshalle, in der ein Orchester spielt usw. Oder als Ort, von dem aus sich die mitgebrachte Kultur aus dem Zug in die Stadt hineinbegibt, in die Kulturinstitutionen vor Ort, die ihrerseits wieder etwas aus ihrem Haus mit auf die Reise schicken, wieder etwas in den Zug hineingeben. Auf diese Weise entsteht ein Kunst- und Kulturzug, der das Leben der Stadt in die Stadt hinein transportiert, der Geschichten und Menschen einsammelt und weitertransportiert und am nächsten Ort wieder aussteigen lässt, um dort neue Begegnungen zu ermöglichen. Der bunte MELEZ-Zug ist dabei Bühne und Konzertraum, Salon, Party- und Arbeitsraum, Experimentierraum und Recherchegefäß und vor allem ein rollender Ort der Kulturen des Ruhrgebiets und Europas. (...) Reisen Sie doch ein Stück mit.   

Asli Sevindim (Foto), Susanne Puchberger, Anne Kleiner, Thomas Laue
Künstlerische Leitung MELEZ.2010
     

Foto: Edmond Frederik


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