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Interview mit Margit Sponheimer

Frau Sponheimer, Sie sind die erste Frau, die eine große Prunksitzung leitet. Gibt’s Unruhe im Narrenreich?

Ich glaube schon. Viele freuen sich und wünschen mir alles Gute, manche sind auch ganz stolz. Aber es wird auch welche geben, die sagen: „Was macht denn die schon wieder – muss sie das auch noch machen!“. Aber damit kann ich mich nicht belasten. Ich will mein Bestes geben, und es freut mich wahnsinnig, dass ich die Prunksitzung leiten darf.

Sie sind in Ihrem Leben schon in viele Rollen geschlüpft – wie geben Sie die Sitzungspräsidentin?

Ich bin eine Art Conférencier und werde die Blumen zusammensuchen, damit ich dem Publikum einen bunten Strauß überreichen kann. Aber ich will das nicht in der üblichen, präsidialen Art machen. Ich bin einfach nicht der Typ, der von oben runter präsentiert. Lieber stehe ich auf gleicher Höhe und spreche mit den Leuten. Ich werde ein bisschen flanieren und versuchen, eine andere Ebene zu schaffen, einfach eine weiblichere.

Und die Männer tanzen dann nach Ihrer Pfeife?

Ach, die sollen einfach lachen und fröhlich sein und mitmachen. Mich stört es selbst, wenn ich eine Aufzeichnung sehe, wo das Publikum ganz gebannt zuhört und der Kameraschnitt aufs Komitee zeigt, dass die da oben das Bühnenprogramm schon zwanzig Mal gehört haben! Das geht nicht. Wenn ich ins Fernsehen will, muss ich auch mitmachen. Und man soll immer Respekt vorm Publikum haben. Wenn die Leute zum Beispiel nicht schunkeln, stimmt der Titel nicht oder der Interpret. Das Publikum stimmt immer. So sehe ich auch diese Sendung. Ich möchte etwas anders machen – denn alles andere kenne' mer ja.

Ist es denn immer noch so, dass Frauen im Karneval vor allem als Funkenmariechen gefragt sind?

Früher haben sich die Frauen mit ihren Kindern am Rosenmontag winkend an die Straße gestellt und gesagt: „Guckt mal, wie schön euer Papa ist!“ Das hat sich geändert, und ich finde es toll. Für mich ist die Fastnacht ein Familienprogramm und wichtig für unser Zusammenleben. Leute, die in der Fastnacht aktiv sind, vom Musiker über den Gardisten bis zum Präsidenten, sind auch über die närrische Zeit hinaus in die Gesellschaft integriert.

Haben Frauen einen anderen Humor?

Ja. Oft einen feineren. Und sie sind häufig offener für Neues.

So wie Sie?

Ja, ich höre in mich rein und bin offen. Mein Mann sagt in jedem Satz „Ja, aber ...“ und ich sage „Ja, und? Was gibt’s, was kann ich tun?“ Mein Leben lang hab ich aus dem Bauch heraus reagiert und mit meinem Herzen gedacht. Das war nicht schlecht. Ich bin ja Seiteneinsteigerin. Als Fastnachtssängerin, als Schauspielerin, als Moderatorin – und ich habe großen Respekt vor diesen Berufen. Natürlich habe ich auch viel Glück in meinem Leben gehabt, immer im richtigen Moment die richtigen Leute getroffen. Dafür bin ich dankbar.

Zum Beispiel den Komponisten Toni Hämmerle und den Sänger Ernst Neger.

Ernst Neger zog mich als junges Mädchen auf die Bühne - und dann hatte mich die Mainzer Fastnacht am Hals. Toni Hämmerle schrieb mir „Gell, du hast mich gelle gern“, und mit „Am Rosenmontag bin ich geboren“ hatte ich einen weiteren Evergreen. Und dann rutschte ich in diese jährlichen Rollen rein – Marktfrau, Weinkönigin, Clown – aber irgendwann kam ich mir vor wie ein Denkmal. Es war schon ein bissi so, als ob ich Grünspan bekommen hätt‘! Nach vier Jahrzehnten hab' ich dann aufgehört mit der Mainzer Fastnacht. Und es war wieder die richtige Entscheidung. Ein Jahr später kam Wolfgang Kaus vom Volkstheater Frankfurt und sagte „Wir brauchen dich!“. Seitdem spiele ich dort jedes Jahr – und es macht mir einen Riesenspaß.

In Frankfurt sind Sie längst „die Sponheimer“ vom Volkstheater – für Mainz bleiben Sie „'s goldisch Margitsche“. Stört Sie das?

Nein, ich bin beides gern. Wenn ich in Mainz bei den 05ern im Fußballstadion sitze, die schießen ein Tor, und 20.000 Leute singen meinen „Rosenmontag“ – da bekomm' ich immer Gänsehaut. Daran hab' ich in meinen kühnsten Träumen nie gedacht, dass mein Lied eine Fußballhymne wird!

An Ruhestand ist wohl nicht zu denken ...

Nee, bei mir muss man den Sargdeckel mal zunageln. Ich werde zumindest arbeiten, solange es mir Freude macht. Ein Verleger möchte unbedingt ein Buch von mir, ich habe gerade eine neue CD aufgenommen, bis zur zweiten Januarwoche steh' ich als Bauersfrau im Frankfurter Volkstheater auf der Bühne, dann fahr ich zur Aufzeichnung der hr-Show „Grand Prix der strammen Waden“ nach Stadtallendorf ...

... wo Sie die Wahl von Hessens originellstem Männerballett moderieren ...

... Wieder in Mainz mache ich mit dem SWR noch ein Konzert mit meinen Liedern, dann vielleicht wieder mehr Chansons ...

Woher nehmen Sie denn um Himmels Willen die Energie?

Wenn ich zu Hause bin, lauf ich jeden Morgen durch den Wald und sammle mich. Mein Mann passt gut auf mich auf, dann ist da mein Hund – wollen Sie mal ein Bild sehen? Meine Zufriedenheit und Neugierde geben mir Kraft. Und es ist auch Ehrgeiz dabei. Ohne Ehrgeiz geht es nicht. Es wird der Tag kommen, an dem ich sage, jetzt ist Schluss. Aber im Moment wär's mir noch zu langweilig, zu Hause zu hocken und auf die Möbel aufzupassen! Wenn ich mal alt bin – oh Gott, ich bin ja alt – ich mein', wenn ich mal richtig alt bin, dann werd' ich im Altersheim noch etwas unternehmen.

Das glauben wir Ihnen aufs Wort. Was wünschen Sie sich für Ihren Auftritt als Sitzungspräsidentin?

Dass ich den richtigen Ton treffe. Und dass mir das Publikum das Lächeln zurückgibt, was ich reingeb'. Ich werd mir meinen Weg suchen und dabei Augen und Ohren offenhalten.

Eine Idee, wie oft Sie an diesem Abend „Helau“ rufen werden?

Das weiß ich auch noch nicht. Aber es wird ein dreifach donnerndes „Helau“! Und ein befreiendes „Helau“ wenn Prinz und Prinzessin kommen – und schließlich noch eins, wenn's rum ist. Denn ein bisschen Anspannung ist ja schon dabei.

Das Interview führte Jeanette Sallwey


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