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"Alter ist ein Aktivposten"

5. Altenbericht zu "Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft"

Welchen Beitrag ältere Menschen zum solidarischen Zusammenleben der Generationen heute erbringen und in Zukunft erbringen können, legt die Sachverständigenkommission im Fünften Bericht zur Lage der älteren Generation dar. Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt, nahm den 5. Altenbericht "Potenziale des Alters in Wirtschaft und Gesellschaft" jetzt aus der Hand von Kommissionsvorsitzendem Prof. Dr. Andreas Kruse, Universität Heidelberg, entgegen.
Die Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung werden öffentlich häufig einseitig als ökonomische Belastung diskutiert, die auf die Sozialsysteme und die Gesellschaft zukommt. Der 5. Altenbericht hebt demgegenüber die Chancen und Potenziale hervor, die mit einer längeren Lebenserwartung und guten Gesundheit älter werdender Menschen für sie selbst, aber auch für Gesellschaft und Wirtschaft verbunden sind. "In den letzten Jahrzehnten hat sich ein Lebensalter der 'gewonnenen Jahre' herausgebildet. Menschen zwischen 60 und 80 Jahren sind heute geistig und körperlich fit. Diesen jungen Alten werden wir mit einer Reduzierung auf die Themen Rentendebatte und Pflege nicht gerecht. Sie können sich mit ihren Potenzialen weitaus stärker als bisher in die Gesellschaft einbringen und sie wollen dies auch - wir müssen sie nur lassen", erklärte Bundesministerin Renate Schmidt. "Der Altenbericht zeigt deutlich, dass wir ein neues Bild vom Alter brauchen. Wenn wir im demografischen Wandel bestehen wollen, muss allgemein akzeptiert sein, dass Kompetenz, Kreativität und Innovationskraft auch jenseits der Lebensmitte vorhanden sind, dass Lernfähigkeit und persönliche Weiterentwicklung nicht mit 50 enden."

Die 5. Altenberichtskommission sieht Alter als Motor für Innovation; zugleich unterstreicht sie die Mitverantwortung älterer Menschen für den Zusammenhalt der Generationen, für Nachhaltigkeit und Generationensolidarität. Sie gibt der Politik Hinweise zu den Bereichen Erwerbsbeteiligung Älterer, Bildung, Einkommenssicherung, bürgerschaftlichem und familialem Engagement, älteren Migrantinnen und Migranten sowie zur Seniorenwirtschaft.

Die Erwerbsquote älterer Arbeitskräfte (55 bis 64 Jahre) liegt in Deutschland bei 41,2 Prozent. 41 Prozent aller Betriebe beschäftigen niemand über 50 Jahren. Für die Kommission ist daher oberstes Ziel, die in der Vergangenheit praktizierte vorzeitige Freisetzung des Alters aus der Arbeitswelt zu überwinden und den Übergang vom Erwerbsleben in die Nacherwerbsphase stärker zu flexibilisieren. "Betriebe wie Verwaltungen müssen ihre 'Jugendzentrierung' aufgeben und auf altersgemischte Teams setzen. Sie bringen die besten Arbeitsergebnisse hervor und stellen den notwendigen Wissens- und Erfahrungstransfer sicher", so Bundesministerin Renate Schmidt. "Deshalb haben wir Fehlanreize für ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt systematisch abgebaut. So können Arbeitgeber z. B. Lohnkostenzuschüsse in Höhe von bis zu 50 Prozent zum Arbeitsentgelt erhalten, wenn sie förderungsbedürftige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einstellen."

Die Bereitschaft älterer Menschen zum freiwilligen Engagement  ist in den letzten zehn Jahren um fast sechs Prozentpunkte gestiegen. Das Plädoyer der Kommission zur Einführung eines neuen generationsübergreifenden Freiwilligendienstes hat die Bundesregierung mit einem neuen Modellprogramm für alle Altersgruppen bereits aufgegriffen. Bei über 50 Projekten und Projektverbünden übernehmen Bürger und Bürgerinnen allen Alters nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten Verantwortung für Junge, für Alte, für Behinderte, Schüler und Schülerinnen oder auch für besonders belastete Familien.

Die Potenziale der heutigen Senioren und Seniorinnen sind ein Wirtschaftsfaktor. Die Seniorenhaushalte geben im Jahr über 300 Mrd. Euro für den privaten Verbrauch aus; dies entspricht fast einem Drittel der Gesamtausgaben in dem Bereich. Ihre Wirtschaftskraft wird eine zunehmend größere Rolle spielen, hebt die Kommission hervor. Damit eröffnen sich für die Wirtschaft neue und interessante Wachstums- und Beschäftigungsperspektiven, vor allem im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen und Produktionsbereichen wie der Automobil- und Konsumgüterindustrie. Die Bundesregierung unterstützt diese Entwicklung, in dem sie das Marktvolumen und die Wachstums- und Beschäftigungspotenziale durch intelligente Produkte und Dienstleistungen in der Wirtschaft aufzeigt und Unternehmen für die Bedürfnisse älterer Menschen sensibilisiert. "Die für die ältere Generation entwickelten und optimierten Produkte und Dienstleistungen führen regelmäßig auch zu einer höheren Zufriedenheit und Kaufbereitschaft in jüngeren Käuferschichten. Wir werden ein neu zu entwickelndes Qualitätssiegel initiieren, das Ansporn für Unternehmen sein soll, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die sich an den Bedürfnissen der älteren - und damit oftmals aller - Generationen orientieren", kündigte Bundesministerin Renate Schmidt an.

Die Bundesregierung hat zudem die ressortübergreifende Initiative "Erfahrung ist Zukunft" gestartet, um Potenziale älterer Menschen aufgezeigt, um ein neues Bild von älteren Menschen zu vermitteln - ein Bild, das ihre Möglichkeiten hervorhebt, zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen beizutragen. Die Initiative ist offen für Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft; mit ihr sollen Beispiele guter Praxis in Betrieben öffentlich gemacht werden und so auf ein modernes Bild des Alters hingewirkt werden.

Zum 5. Altenbericht erarbeitet die Bundesregierung eine Stellungnahme, mit der sie den gesamten Bericht dem Deutschen Bundestag übergibt und sodann veröffentlicht.
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