Bohrungen ergaben: keine Hohlräume an der Unglücksstelle
Von Stadt Köln, Einsturzstelle Stadtarchiv
Oberbürgermeister Fritz Schramma hat einen „Koordinierungsstab Unglücksstelle Waidmarkt“ eingesetzt. Das Gremium steht vor drei Hauptaufgaben: die Bergung der beim Einsturz des Historischen Archivs verschütteten Dokumente, die Sicherstellung des Unterrichts für die Schüler der zurzeit nicht benutzbaren zwei Gymnasien und die Versorgung der vom Unglück betroffenen Menschen. Der direkt Oberbürgermeister Fritz Schramma zugeordnete Koordinierungsstab tritt an die Stelle des heute Morgen aufgelösten Krisenstabs. Schramma formulierte die vordringlichsten Ziele des neuen Gremiums: 1. Die Betreuung der Menschen, die bei dem Unglück ihre Wohnung und ihre gesamte Habe verloren haben. 2. Die Realisierung des Beschleunigungs- und Sicherheitskonzepts für den U-Bahnbau und den Einsatz eines neutralen und unabhängigen Gutachters.3. Die Etablierung einer Digitalisierungs- und Restaurierungsstelle in der Nähe des Unglücksorts. Die Stadt Köln geht davon aus, dass die Sicherung der Archivalien bis zu fünf Jahre dauert. Außerdem soll der Koordinierungsstab unverzüglich die Schritte zum Neubau eines Archivgebäudes einleiten, das in fünf Jahren stehen soll.4. Die lückenlose Aufklärung der Unglücksursache und die objektive Feststellung, wer dafür verantwortlich war.5. Die Aufrechterhaltung der gemeinsamen Anlaufstelle von Stadt Köln und Kölner Verkehrs-Betrieben für die Betroffenen bis auf Weiteres. An der Unglücksstelle hat die Feuerwehr mit zwei Schrägbohrungen festgestellt, dass es im Boden am Übergang von den U-Bahnröhren zum Gleiswechsel-Bauwerk vor dem Archivgrundstück keine Hohlräume oder lockeres Erdreich gibt. Weitere drei Bohrungen sind geplant. Das Notdach zum Schutz des Archivguts ist fast fertig gestellt, es fehlen nur noch fünf von 50 Metern, den Rest haben die Einsatzkräfte sorgfältig mit Planen abgedeckt. Mit Pumpen leitet die Feuerwehr in dem Gleiswechselbauwerk 160 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde ab, damit die Bauwerksdecke nicht überspült wird. An der Schlitzwand des U-Bahn-Bauwerks hat die Feuerwehr gestern so genannte Schreinsbücher entdeckt, historische Dokumente, die mit dem heutigen Grundbuch vergleichbar sind. Deshalb hat man sich entschlossen, entgegen den ursprünglichen Planungen auch am heutigen Sonntag zu arbeiten und die wertvollen Archivalien zu bergen. Ab morgen arbeiten Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mit 50 Leuten an der Unglücksstelle. Die Bergung des Archivguts erfolgt von drei Seiten.
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von Süden: hier sind Betondecken und zusammengedrückte Schränke sauber geschichtet.
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von Norden: dort liegen Schutt und Archivalien völlig durcheinander
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vor der Schlitzwand des U-Bahnbauwerks
Heute hat sich herausgestellt, dass die für den Bau des Gleiswechselbauwerks verantwortlichen Firmen an der Baustelle nicht nur vier, wie in der wasserrechtlichen Genehmigung angegeben, sondern 15 Brunnen gebaut haben. Auch die geförderten Grundwassermengen lagen ab Dezember 2008 mit bis zu 750 statt 450 Kubikmetern pro Stunde über den Sollwerten. Die Stadt Köln erfuhr von den Überschreitungen erst, nachdem sie am vergangenen Dienstag, 10. März 2009, von den Unternehmen die so genannten Brunnentagebücher angefordert hatte. In diesen müssen die geförderten Wassermengen protokolliert werden, Überschreitungen der erlaubten Werte haben die Firmen in eigener Initiative der Unteren Wasserbehörde zur Prüfung vorzulegen, was jedoch nicht geschehen ist. Einmal pro Quartal müssen die Brunnentagebücher der Bezirksregierung als Oberer Wasserbehörde zugeleitet werden.