Weit über Nordrhein-Westfalen hinaus hat das Unglück von Köln die Frage nach der Sicherheit archivischer Überlieferung aufgeworfen. Reichen die anerkannten und normierten Standards zum Bau von Archiven aus? Sind die Archive für den Notfall ausreichend gerüstet? Zu diesen Fragen veranstalten das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen und die Stadt Köln am 24. Juni 2009 in Köln die medienöffentliche Expertenanhörung
zum Kölner Archiveinsturz, die von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und dem Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma eröffnet wird. In einer Bilanz-Pressekonferenz werden am Folgetag die Ergebnisse der Anhörung vorgestellt.
Hilfen des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs
(KÖLN, 24. Juni 2009) Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist eine Katastrophe, die weit über Köln hinaus gewirkt hat. Die Folgen dieses Unglücks sind nur zu bewälti¬gen in einer engen Zusammenarbeit und fachlichen Abstimmung der Archive. Das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen sieht sich in besonderer Weise verpflichtet, den Kölner Kolleginnen und Kollegen mit Tat und Rat zur Seite zu stehen. Bereits am Tag unmittelbar nach dem Unglück sind die ersten Kolleginnen und Kollegen zur Unterstützung der Bergungsarbeiten an die Unglückstelle nach Köln gefahren. In den folgenden Tagen waren stets bis zu sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Technischen Zentrum des Landesarchivs vor Ort im Einsatz, um zusammen mit Ver¬tretern des LWL-Archivamtes in Abstimmung mit dem Historischen Archiv die Logistik der Erstversorgung aufzubauen und die Anschaffung von Hilfsmitteln der Notfallvor¬sorge aus Mitteln der Soforthilfe des Landes anzustoßen. Nach dem Aufbau des Erstversorgungszentrums sind bis Ende Mai aus einer Vielzahl von Angeboten wei¬tere Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus unterschiedlichen Abteilungen des Lan¬desarchivs zur Unterstützung in Köln angefordert worden, die bei der inhaltlichen Erfassung, der Sortierung des Archivguts nach den Kategorien trocken/feucht/nass und dessen Erstversorgung mitgewirkt haben.
Neben der praktischen und logistischen und Unterstützung hat der Leiter des Tech¬nischen Zentrums des Landesarchivs Dr. Johannes Kistenich maßgeblichen Anteil an der konzeptionellen Entwicklung und der weiteren Ausarbeitung der Arbeitsab¬läufe für die Erstversorgung der geborgenen Unterlagen. Herr Kistenich gehört auch der „Arbeitsgruppe fachliche Beratung" bei der Bergung und der Restaurierung des Archivguts an, die sich am 8. März 2009 konstituiert hat und an der neben dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Vertreter der Stadt Köln, des Stadtarchivs, der Ar¬beitsgemeinschaft der Stadtarchive beim Deutschen Städtetag, des Verbandes Deutscher Archivarinnen und Archivare, der Fachhochschule Köln, der beiden Land¬schaftsverbände und der Staatskanzlei beteiligt sind. Der Präsident des Landesarchivs Prof. Dr. Wilfried Reininghaus und Mitarbeiter des Fachbereichs Grundsätze beraten darüber hinaus die Landesregierung bei der Vorbereitung von Maßnahmen, die sich aus dem Einsturz in Köln ergeben.
Wie andere Archive in Köln und Umgebung auch hat schließlich das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Lagerflächen zur Verfügung gestellt, um gerettete Unterlagen aus Köln aufzunehmen. Insgesamt sechs Regalkilometer Kölner Archivgut lagern zurzeit in Magazinen des Landesarchivs an den Standorten Detmold und Münster.
Mit der Veranstaltung der Expertenanhörung in Kooperation mit der Stadt Köln leistet das Landesarchiv einen weiteren Beitrag, um die Folgen des Kölner Unglücks aus fachlicher Sicht zu bewältigen. Auf der Grundlage eines Kabinettbeschlusses will die Expertenanhörung eine erste Bilanz aus dem Unglück in Köln ziehen und im Sinne einer nachhaltigen Erfahrungssicherung Handlungsorientierungen für die Politik for¬mulieren. Die Ergebnisse der Expertenanhörung werden in einer Pressekonferenz (am 25. Juni um 13 Uhr), in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Archivar" und in einer Publikation, die im Herbst des Jahres erscheinen soll, dokumentiert.













